enigma-line Röhren-Kopfhörerverstärkermodul AUDICULA-I 'À la recherche du son perdu' oder auch 'Auf der Suche nach dem verlorenen Klang', viertes Kapitel... Nahfeldmonitore sind spezielle Studio-Lautsprecherboxen, die für einen im engen Abhörraum zwangsläufig entstehenden kurzen Abstand von Schallquelle und wahrnehmenden Ohr konstruiert sind: durch diese geringe Distanz übertragen sie in der anstrengenden analytischen 'Hörarbeit' eines Produktions-Studios die akustische Wahrheit bis ins allerkleinste Détail und blenden zudem vorhandene raumakustische Störfaktoren wie Absorptionen und Reflexionen weitgehend aus, sind also gewissermaßen optimierte akustische Werkzeuge für das Monitoring bei einer Studioproduktion. Bei den Kopfhörern wird dieses 'Nahfeld' auf die Spitze getrieben: entgegen der normalen Gewohnheit entstehen die Schallereignisse direkt am Ohr, wobei die Abwesenheit der üblichen Raum- und Richtungsinformationen - bedingt durch das Fehlen der HRTFs (Head Related Transfer Function) - bei nicht wenigen Musikliebhabern für eine Ablehnung derartiger Schallwandler sorgt, obwohl sich die in zentralen akustischen Bereichen erreichbare Qualität der Musikwiedergabe im Vergleich zu einer optimalen lautsprecherbasierten Reproduktion ohne größere finanzielle Opfer realisieren lässt. Leider ist die Fähigkeit zum präzisen und differenzierenden Hören im optischen Zeitalter (der Titel eines grundlegenden Fachbuches von ''Karel Pech''...) durch permanenten Konsum von 'Dudelfunk' und massenhaft verbreitete akustische 'Dauerberieselung' vielfach komplett abhanden gekommen. Dabei stellt sich die typische Detailpräzision beim Hören mit Kopfhörern ohne einen in die Höhe getriebenen Aufwand nicht ein: das breit aufgefächerte Informationsspektrum komplexer Musik erschließt sich erst durch ein souveränes Zusammenspiel von akustischem Potential von Schallwandler und elektronischem Leistungspotential seiner Versorgungsquelle - fast alle internen Kopfhörerverstärker von HiFi-Komponenten verwenden billigste Bauteile und einfachste Schaltungstechnik, was leider auch für viele der häufig verführerisch verpackten externen Modelle zutrifft. Diese Überlegungen führten zum AUDICULA-I Voll-Röhren-Kopfhörermodul für Kopfhörersysteme mit dynamischem Wandlerprinzip, kein verbreitetes Hybridkonzept mit Vorröhren und Halbleiter-Endstufe, wie es häufig für niedrigohmige Kopfhörerimpedanzen angeboten wird. Das Ziel war dabei, einen von Störspannungen freien, lupenreinen Class-A/Single-End Triodenklang auf meinen seit Jahren von mir heißgeliebten AKG-Kopfhörer, den geradezu klassischen supraauralen AKG-K141-Monitor zu übertragen. Das Schaltungsdesign des Verstärkers stellt dabei keine Neuerfindung der Röhrenelektronik dar, ist aber enigma-line-typisch frei von akustisch völlig nutzlosem (Stichwort: akustische Fata Morgana...) und somit auch überflüssigem Voodoo-MUMPITZ, ist konsequent auf hohem Niveau konzipiert und angemessen umgesetzt: transformatorlose, zweistufige Standard-Triodenschaltung ohne Gegenkopplung, ausgelagertes, großzügig dimensioniertes und komplett über Taster relaisgesteuertes Netzteil in aktueller Halbleitertechnik mit stabilisierter Heiz- und Anodenspannung sowie verzögertem Zuschalten der Röhrenhochspannung. Selbstverständlich kann der K-141 im Vergleich mit den kostspieligen und hochgezüchteten aktuellen dynamischen Kopfhörermodellen diverser Hersteller klanglich nicht mehr mithalten, da fehlen ganz einfach einige Jahre konsequenter Weiterentwicklung der Kopfhörerakustik - seine tonale Abstimmung und akustische Handschrift ist für meine Hörgewohnheiten durchaus immer noch akzeptabel. Wie beim 'Ultra Hi-End Headphone Amp' WA6-Special Edition von WooAudio ist auch hier ein externes Netzteilkonzept (siehe auch enigma-line Retro-Klangstellermodul) vorgesehen, das aber aus guten Gründen komplett mit modernen Halbleiterdioden bestückt ist. Mit einer ausgeklügelten und optimierten Verdrahtungstechnik stellt es eine präzise und auch bei maximalem Aufdrehen des Eingangspotis äußerst störspannungsarme Stromversorgung sicher, die einen Vergleich mit batteriegespeisten (!) Kopfhörerverstärkern kaum zu scheuen braucht: die gnadenlose Bewährungsprobe für die Stimmigkeit von Netzteildesign und Massekonzept in einem Röhrenverstärker ist bekanntermaßen der Kopfhörerbetrieb, der wie unter einem Mikroskop den kleinsten konstruktiven Fehltritt entlarvt und jede noch so winzige akustische Unregelmäßigkeit unbarmherzig hörbar macht ... Nach meiner Begeisterung im Zusammenhang mit der endgültigen Röhrenbestückung im enigma-line Retro-Klangstellermodul werden auch im Kopfhörerverstärkermodul zwei amerikanische 6211 Doppeltrioden von RCA eingesetzt, die hier genauso wie dort für subtilste Feinzeichnung und unglaublich detaillierte akustische Abbildung sorgen - zwei chinesische 12AT7 PSVANE Reference T-Series Röhren von Shuguang werden zwar ansprechend verpackt geliefert, gehören nach meinen Hörexperimenten aber eher in die Kategorie 'Pseudo-Edelröhren' und sind klanglich (und preislich) völlig indiskutabel. Bei den völlig überzogen sündhaft-teuren Kopfhörerverstärkern diverser 'namhafter' Hersteller allzu häufig nicht zu haben, hier ist es selbstverständlich und unterstreicht das hohe klangliche Niveau: eine angemessen hochwertige Ausstattung der Ein/Ausgangsschnittstellen des Verstärkermoduls mit Neutrik Cinchbuchsen bzw. Klinkenbuchsen als deutlich sichtbare Ausläufer eines dazu passenden Geräteinnern ... Ein weiteres, wesentlich kostenintensiveres und technisch aufwändigeres Projekt aus der AUDICULA-Röhrenverstärker-Reihe für dynamische Kopfhörer ist ebenfalls fertig: der AUDICULA-II, auch ohne den üblichen Ausgangstransformator, mit modifizierter Schaltung, erweiterter unterschiedlicher Röhrenbestückung und äußerst strompotentem Netzteilmodul lassen sich trotz OTL damit auch Kopfhörertypen mit Impedanzen unterhalb der 100-Ohm-Grenze antreiben. In freier Abwandlung des bekannten Prinzips WYSIWYG: WYHIWYG / What you hear is what you get... |