enigma-line Röhren-Kopfhörerverstärkermodul  AUDICULA-II


© Reinhard Brunsch

'À la recherche du son perdu' oder auch 'Auf der Suche nach dem verlorenen Klang', fünftes Kapitel...

enigma-line Audicula II Verstärkermodul
AUDICULA-II: das Verstärkermodul mit CV131 / CV4015 / EF92 und 6C19П

"quo vadis" Kopfhörer oder "ceci n'est pas l'original !"...: Ja, das legendenumwobene Kopfhörer-Rolls-Royce-System HE1 des traditionsreichen und renommierten Unternehmens SENNHEISER habe ich gesehen und auch gehört - ein ästhetisch wie akustisch durchaus beeindruckendes Stück hochkarätiger Design- und Ingenieursarbeit. Technisch betrachtet handelt es sich um elektrostatische Treibersysteme, die von einem Hybrid-Verstärker "befeuert" werden. Bei den Röhren des Verstärkers kommen die Spanngitterröhren ECC802S Doppeltrioden zum Einsatz, deren Konstruktion bis in die frühen 50iger Jahre des letzten Jahrhunderts zurückreicht und die als NOS-Röhren zu den seltenen und kaum bezahlbaren "Holy-Grail preamplifier-tubes" gehören. Ähnlich wie die selige 6189 von General Electric ist die ECC802S - zumindest als NOS-Exemplar - in mancherlei Hinsicht (Zuverlässigkeit, Lebensdauer, Toleranzen, lange Anodenbleche, Mikrofoniesicherheit) eine optimierte Variante einer regulären, weitverbreiteten Audioröhre ECC82 / 12AU7, die ihrerseits die Novalversion der bekannten Uralt-Oktal-Doppeltriode 6SN7 von 1939 ist - die ECC802S wird aktuell noch vom Nachfolger JJ der bekannten Röhrenschmiede Tesla hergestellt, die aber qualitativ in keinster Weise an die legendäre Original NOS-Röhre der Röhrenära heranreicht.
Die im Röhrenteil des Verstärkers verbauten acht "Quartzkolben" (gegen "Luftschall"...) sind ästhetisch sicher eine wesentlich bessere Lösung als die üblichen Silikonringe ("Röhrendämpfer"), aber wegen der exzellenten Mikrofoniesicherheit der verwendeten ECC802S - zumindest war das bei den NOS-Röhren so... - sind diese wohl eher dem Produktdesign geschuldet...

Mit dem HE1 markiert die 1945 von Fritz Sennheiser gegründete Firma aus dem niedersächsischen Wennebostel zum zweiten Mal seit 1991 (Orpheus1) ihr Terrain und ihren Führungsanspruch in der kleinen, aber feinen Marktnische der Kopfhörer am elektroakustischen Limit.

Somit besitzt der HE1 einen gigantischen "Sabberfaktor" und mit seiner in jeder Hinsicht qualitätssuggerierenden, astronomischen Kaufsumme von nahezu 60.000 € ist er zur Zeit (!) wohl das kostspieligste Kopfhörerprojekt auf dem Planet, für diesen enormen Preis ist immerhin ein exzellenter, traumhaft klingender STEINWAY A Kammermusikflügel aus Hamburg zu haben! Mit diesem Preisschild liegt der HE1 ca. 20.000 € über dem chinesisch/amerikanischen Konkurrenzprodukt Shangri-La von Hifiman, der mit Vorkriegs-300B-Trioden arbeitet. Die Konstruktion der Western-Electric 300B-Triode geht zurück auf das Jahr 1933, in dem ihr Vorgänger, die 300A erschien, der Unterschied betraf lediglich den Röhrensockel. Die damaligen Aufgaben dieser Trioden lagen vorwiegend im Bereich von Hochfrequenz- und Militärelektronik, aber auch in den weltweit führenden Tonfilm-Geräten von Western-Electric wurden sie zur Beschallung von zahlreichen Filmtheatern eingesetzt.
Zwischen der großen, optisch attraktiven und stark leuchtenden 300B-Triode mit ihrer UX-4 Fassung und einer eher unscheinbaren ECC802S Miniatur-Novalröhre mit modernster Spanngitter Steuerelektrode liegen immerhin mindestens 25 Jahre rasanter Röhren-Weiterentwicklung - die Konstrukteure bei Sennheiser wissen den technischen Fortschritt zu schätzen ...

Der aktuell völlig aus den Fugen geratene Lifestyle-Premium-Kopfhörermarkt gibt mittlerweile wohl derartige Preis-Superlative her, strategisch werden die immer zahlreicher werdenden, bestbetuchten Lifestyle-HiFi (!) - Hardware-Freaks und Neomillionäre dieser Welt anvisiert, die locker solche Objekte, zusammen mit den dazu passenden Automobilen und ähnlichen Utensilien aus der gutgefüllten Portokasse ganz cool bezahlen können und wollen ...

Der akustische Qualitätsvorsprung des elektrostatischen HE1 zu den wirklich guten (!) und weniger wichtigtuerischen, linear wiedergebenden, alltagstauglichen und voodoofreien "not for having, only for listening" Monitoring-Kopfhörermodellen und ihren Verstärkern ohne jeglichen Showeffekt - egal ob elektrodynamisch oder elektrostatisch - ist nun aus meiner Sicht beileibe nicht so "riesig", wie die euphorischen "Testberichte" suggerieren, die vielbeschworene neue Dimension ist das nicht, die wahren, tiefgründigen Emotionen stecken ohnehin nicht in der Hardware, sondern in qualitativ hochwertiger Musik-Software...
Das Sennheiser Kopfhörer-Paradepferd Orpheus2 und sein Röhren-Transistor-Verstärker arbeiten auf sehr hohem Niveau, die angegebenen technischen Daten sind ausgezeichnet und wohl eine Art "Alleinstellungsmerkmal", was bei dem anvisierten Preis eine Selbstverständlichkeit ist, da muss sich die Konkurrenz aus den niedrigeren Preisregionen sehr warm anziehen...
Besonders bei dynamisch exzessivem Quellmaterial (z.B. Bruckner Sinf.6 / Järvi...) spielt der HE1 seine Qualitäten aus, es ist ein elektroakustisches Reproduktionsystem, in dem Sennheisers 72-jährige Erfahrung hörbar wird - Preis, Marketing+Werbung, atemberaubendes Design, Exclusivität, Prestigefaktor und perfekte Materialanmutung verstärken diesen Eindruck, und das ist vom Hersteller sicher genauso beabsichtigt.
Aber: trotz der fantastisch anmutenden Kaufsumme von nahezu 60.000€ und entgegen anderslautender Behauptungen bekommt man auch mit dem eingesetzten überwältigenden technischen Aufwand nicht das musikalische Original - Wunder gibt es zwar immer wieder, aber auch in Sennheisers Akustiklaboratorien wird nur mit Wasser gekocht und selbstverständlich gelten die unverrückbaren Grenzen der physikalischen Akustik auch für dieses, in jeder Hinsicht extrem aufwändige, extrem teure Prestige-Projekt - elektroakustische Kopfhörer-Reproduktion und das akustische Original liegen auch bei einem HE1 erwartungsgemäß meilenweit auseinander, so wie René Magrittes zwar sehr realistisch gemaltes Bild einer Pfeife ('ceci n'est pas une pipe') sehr weit entfernt ist von der Anmutung einer realen Pfeife - eben auch nur eine gekonnt gemachte (und natürlich wesentlich kostspieligere...) Illusion ...

Zum Thema: Sieht man von den Premium-Kopfhörern Sennheiser HD800/820 ®, Beyerdynamic Tesla T1 ® oder den ZMF Modellen Atticus, Eikon und Auteur ab - mit ihren 300 bzw. 600 Ohm Treiberimpedanzen nahezu 'ideal' für den Antrieb mit Röhrenverstärker ohne Übertrager - sind in der Angebotspalette der auf dem HiFi-Kopfhörermarkt vertretenen Premium-Hersteller die für einen Röhren-OTL Betrieb besonders geeigneten dynamischen Top-Kopfhörermodelle mit mittleren und höheren Impedanzen eher selten geworden, diese sind eben nicht massen- und mobilkompatibel mit batteriegespeisten Smartphones etc...
Insofern ist es sehr erfreulich, daß sich der traditionsreiche japanische Hersteller Audio Technica diesem Trend verweigert und mit seinem aktuellen Modell ATX5000 einen hochwertigen, leichten (kaum Plastik sondern Magnesium, kein isodynamischer Antrieb...) und ziemlich kostspieligen, offenen Kopfhörer mit einer überraschend hohen Treiberimpedanz von 420 Ohm (!) auf den Markt gebracht hat, dessen Entwickler im übrigen sinnreicherweise auf einen völlig überflüssigen symmetrischen 4-Pol Anschluss (wie bei den AKG K702 oder auch K812...) und mobile Kompatibilität verzichten und damit demonstrieren, was sie grundsätzlich davon halten...
Mit seiner relativ hohen Treiberimpedanz besitzt der Kopfhörer zusammen mit dem Beyerdynamic T1 ein Alleinstellungsmerkmal, was ihn für den OTL-Antrieb mit einem Audicula-II besonders geeignet macht - bei passender Gelegenheit werde ich wohl den neu konzipierten Schallwandler etwas genauer unter die akustische Lupe nehmen...

Zum anderen gibt es mittlerweile in der Kopfhörernische des Hi-Fi-Marktes neben den drei oben erwähnten Modellen eine außerordentlich vielfältige und feine Palette von elektrodynamischen Kopfhöreren, die teilweise mit ihrem akustischen Qualitätsniveau der lange Zeit vielfach als "überlegen" eingestuften elektrostatischen Kopfhörerkonkurrenz derartig massiv 'auf die Pelle gerückt' ist, daß man mit Fug und Recht nicht nur von einer Begegnung auf Augenhöhe sprechen kann - in manchen musikalischen Disziplinen wurde die vormals unerreichbar scheinende elektrostatische Kopfhörergilde geradezu spielend-leichtfüßig überholt - ein Jecklin-Float aus den 70iger Jahren, der Urahn der elektrostatischen "Kopflautsprecher" und damals als "Non plus Ultra" gehandelt, ist aktuell vergleichsweise ein "akustischer Witz"...

Diesen Tatsachen hat das neu entwickelte AUDICULA-II Röhrenverstärkermodul für Kopfhörer in erster Linie seine Entstehung zu verdanken - es wurde ganz bewusst kompromisslos gänzlich ohne den üblichen Ausgangstransformator-Flaschenhals konzipiert, auf den auch gnadenlos kostspielige KHV-Konzepte (z.B. ein WooAudio WA33...) bewusst zurückgreifen müssen, um die Palette der verwendbaren impedanzkompatiblen Kopfhörer nicht allzusehr einzuengen...das gleiche gilt für den Antrieb elektrostatischer Kopfhörersysteme, bei denen das OTL-Konzept - ob mit Röhren oder Transistoren - gegenüber dem Übertrager-Konzept nach meinen Erfahrungen stets die Nase vorn hat, denn: Röhren sind prinzipiell für den Betrieb an niederohmigen Schallwandlern völlig ungeeignet, sie benötigen zur Kommunikation mit den aktuell niedrigen Treiberimpedanzen stets einen zusätzlichen "Übersetzer", der für die notwendige Anpassung von Impedanz und Leistung sorgt und auch noch für die "Ausblendung" der hohen Anodenspannungen zuständig ist.
Wie beim richtigen Übersetzen, also dem korrekten Übertragen der kommunikativen Absicht eines Textes von einer Ausgangs- in eine Zielsprache, gibt es dabei ebenfalls enorme Probleme - was nützt also der überbordende Einsatz von üppigem Gehirnschmalz bei der Entwicklung eines besonders trag- und leistungsfähigen Verstärkerkonzepts, wenn bei der Ankopplung der Schallwandlersysteme an den Verstärkerausgang ein - auch bei höchstem Aufwand an Material+Wickelkunst - immer kompromissbehafteter induktiver Ausgangsübertrager zum Einsatz kommt, der so manchen elektronischen Vorteil der Verstärkerschaltung neutralisiert bzw. sogar konterkariert...?

Die beim AUDICULA-II verwendete transformatorlose Ankoppelung der Schallwandler an die Endröhren hat zwar unbestreitbare elektroakustische Vorteile, die begrenzte Stromlieferfähigkeit der Endstufe - Röhren sind ideal für OTL gespeiste Elektrostaten, sie arbeiten regulär mit hoher Spannungsverstärkung und niedriger Stromverstärkung - und die damit verbundene Problemzone Impedanzanpassung ist ein für mich leicht zu verschmerzender prinzipieller Nachteil des Konzepts, da meine Kopfhörerpalette nicht den in Hi-Fi-Kreisen weit verbreiteten Kurzzeitintervallen eines Unterwäsche-Wechselzyklus unterworfen ist und ich deswegen auch nicht dem jeweils aktuellsten Kopfhörermodell zwangsneurotisch hinterher laufen muss...
Für den Antrieb von Kopfhörermodellen mit mobilkompatiblen, aktuell sehr niedrigen Treiberimpedanzen ist aus technischer Sicht zweifellos ein Halbleiter-Endstufenkonzept in jedem Fall die bessere Lösung, der Betrieb eines Mysphere 3.1 mit seiner 16 Ohm (!) Treiberimpedanz, der Low-Impedance Premium-Modelle von AUDIO TECHNICA ®, ULTRASONE ®, DENON ® AH-D7000 oder der prinzipbedingt wirkungsgradschwachen, isodynamischen ('neuer Wein in alte Schläuche'...) Modelle von HIFIMAN ® / China oder AUDEZ'E ® / USA ist ohne eine fundamentale Neukonzeption der Endstufenkonfiguration unter Einbezug einer Transformatorkopplung nicht möglich, der Antrieb eines Mysphere 3.2 (110 Ohm), eines AKG K501 /601, eines AKG K701 / 702 oder eines RudiStor Chrome MD1 bzw. MD2b mit ihren 120 bzw. 62 bzw. 60 Ohm Treiberimpedanzen hingegen schon. Auch der Betrieb der am Transistorverstärker klanglich eigentlich ganz guten, aber für ihre viel zu hoch angesetzte Preisklasse eher schlecht verarbeiteten US-amerikanischen Kopfhörermodelle GRADO ® RS1 oder GRADO ® GS1000 mit ihren 32-Ohm Treibern übersteigt bei höheren Lautstärkepegeln das Leistungspotential eines transformatorlosen Röhrenkonzepts - aber die Grados haben ja ihren eigenen GRADO ® RA1 Kopfhörerverstärker, dem selbstverständlich von den Autoren der bekannten Print- bzw. Online-Fachpresse umwerfende Eigenschaften und exzellente Testresultate attestiert werden, ja mehr noch, man hat dem Gerät sogar den begehrten 'Referenzstatus' (wohl als 'Empfehlung' zu verstehen...) verliehen, womit sich dann auch der (trotz des fehlenden Netzteils...) exorbitant hohe Verkaufspreis ganz von selbst erklärt...

Beim neugierigen Öffen und inspizieren von extrem überteuert angebotenen "HiEnd" Geräten bin ich schon oft aus dem "Staunen" nicht mehr herausgekommen, es geschah erst vor kurzem bei einem sündhaft teuren (ca. 500 €...), "genialen Ultra-Wunder-Netzteil" zur Verwendung mit "Netzwerk-HiFi", selbstredend mit dem "sensationellen Klang" und natürlich hohem "haben-willst"- bzw. "Sabberfaktor"... - erwartungsgemäß kommt da ein lächerliches, stinknormales Trafo-Linearnetzteil zum Vorschein, z.B. als Ersatz für das serienmäßige Allerwelts-Mini-Schaltnetzteil mit einem der üblichen WLAN-Router, wie sie häufig zum Streamen verwendet werden. Nach dem Öffnen des Netzteilgehäuses erkennt man sofort die üblichen Komponenten eines Standardnetzteils im Bauteilwert von allerhöchstens (!) 30-40€, die besondere "Leistung" eines "Entwicklers" ist nicht zu erkennen: ein Alugehäuse mit Ausgangskabel und Kaltgeräte-Netzbuchse, ein Standard-Ringkerntrafo, ein simples L-Netzfilter, ein billiger Standard-Brückengleichrichter, vier Elkos und vier Folienkondensatoren, allesamt parallelgeschaltet und eine einfache lineare IC- (78xx) Spannungsstabilisierung, keine Platine (sehr schwierig !), sondern eine freie "point to point" (sehr einfach !) Verdrahtung, d.h. die oft zitierte VERARSCHUNGSSCHWELLE ist in diesem Geschäft typischerweise extrem weit abgesenkt worden, der potentielle "HiFi- bzw. HiEnd-Käufer" versteht im Regelfall kaum etwas von Elektronik, ist innerlich getrieben und permanent auf der Suche nach dem vermeintlich "ultimativen klanglichen Kick", somit lässt er sich spielend leicht mit wert- und bedeutungslosen "HiFi-Leimruten" oder auch "HiFi-Plunder" zu phantastischen "Mondpreisen" ködern und vor allen Dingen: er "hört" letztlich genau das, was der "Entwickler" von derartigem Teufelszeug ihm per Werbeflyer/Internet oder sonstigen Broschüren alles an sensationellen Klangverbesserungen einflüstert...

Bei dem Grado RA1 haben die 'Entwickler' sich aber selbst übertroffen, aus gutem Grunde wurde hier so ziemlich alles getan, das im Inneren der gestylten Mahagoni-Kiste geradezu lächerliche Sammelsurium elektronischer Billigst-Teile aus Onkel Ottos Bastelkarton vor unerwünschten Blicken und dem Zugriff eines interessierten Kenners und kritischen Besitzers zu verbergen - angesichts des geforderten Preisniveaus reibt man sich mehrfach die Augen: in etwa repräsentieren die elektronischen Bauteile des geradezu stümperhaft zusammen'gelöteten' - die Qualität der Lötstellen entspricht nicht einmal einem 'Anfängerniveau' - Verstärkerplatinchens einen Wert von allerhöchstens ca.2€...
enigma-line Audicula II Netzteilmodul
AUDICULA-II Netzteilmodul: Variante mit Birkendeckplatte + Rotbuchenzargen geölt

Das einzige (!) aktive Bauteil der Standard-Verstärkerelektronik ist ein durchaus respektabler, zig-millionenfach hergestellter japanischer Feld-Wald-und-Wiesen Dual-OpAmp 4556D in längst überholter Bipolartechnik von JRC ® bzw. später NJM ® (das ist der Hersteller der vielfach gehypten und selbstredend extrem teuren "Flagship"- Dual-OPV-Serie MUSES01/02, 01 ist JFet, 02 ist bipolar,...naja...) aus den frühen 80-iger Jahren im DIL8-Gehäuse und im Wert von ca. 50 Eurocent, selbstverständlich ohne eine IC-Fassung, die kostet immerhin 5 Eurocent und ist dem erbarmungslosen Rotstift zum Opfer gefallen, sie würde den überaus saftigen Verkaufspreis (ca. 0,5kiloEuro ohne Netzteil...) ja unnötigerweise noch höher treiben. Der NJM4556D war die übliche analoge IC-Bestückung der 90iger Jahre und wurde wegen seines low-impedance-Ausgangs (keine zusätzliche Bufferelektronik nötig...) millionenfach hauptsächlich im integrierten Kopfhörerverstärker (!) - das sollte man wissen - aber auch in der analogen Line-Ausgangsstufe zahlloser CD-Player aus fernöstlicher Fertigung verbaut, d.h. der RA-1 ist nichts anderes als ein in ein Holzgehäuse ausgelagerter, simpler KHV (wohlgemerkt ohne Netzteil !) einer x-beliebigen Consumer-HiFi-Komponente, der Wahrheitsgehalt der nur allzu häufig gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung von der grundsätzlichen Überlegenheit des separaten Kopfhörerverstärkers im Vergleich mit dem in einer HiFi-Komponente verbauten Exemplars scheint somit nicht sonderlich überzeugend, was gleichermaßen auf die sensationellen Bewertungen des RA-1 aus der Feder so mancher 'HiFi-Journalisten' zutrifft, denen man ohne Zögern die völlige Ahnungslosigkeit attestieren kann...

Den nicht wenigen Konzeptionsproblemen mit einem anspruchsvollen Netzteil, das eine ergiebige und stabile symmetrische Spannung von ± 15 Volt (die optimale Spannung für einen NJM4556...) mit geringster Restwelligkeit bzw. Restbrumm für den Operationsverstärker im subtilen Kopfhörer-Audioeinsatz bereitstellen soll, ging GRADO mit einer 'genialen' Idee aus dem Weg: ein simpler Batteriebetrieb mit zwei Standardbatterien 006P / Standardakkus mit der unzureichenden Spannung von ± 9 bzw. ± 8,4 Volt betreiben den NJM4556 zwar symmetrisch, aber völlig unter seinen durchaus vorhandenen Möglichkeiten...
Immerhin: in Sachen Restwelligkeit sicher unterhalb der Messgrenze und unerreicht genial-einfach out of the box - die von derart primitiver Elektronik produzierten unsäglichen Ein- und Ausschaltknackse in den Kopfhörertreibern sind damit leider auch nicht aus der Welt zu schaffen ...

Kurzum: angesichts der bodenlosen Preisforderung ein substanzloses und geradezu lächerliches Produkt, es zeigt in nuce die typischen, extremen Auswüchse im sogenannten HiEnd-Markt, der vielfach attestierte 'Referenzstatus' ist eher eine Empfehlung, wie man es nicht machen sollte...

Die 1953 gegründete Firma GRADO genoss zur Blütezeit der HiFi-Vinyl-Schallplatte mit ihren vom Firmengründer und Uhrmacher Joseph Grado entwickelten Moving-Coil Abtastsystemen bei vielen seriösen HiFi-Fans einen ernstzunehmenden Ruf, die seligen Zeiten sind offensichtlich längst vorbei...

Ein aufschlussreicher Link hierzu: Zum eindrucksvollen 'Innenleben' eines GRADO RA1...es ist kein Witz !



Grundsätzlich sollte man beim Bau von Röhrenverstärkern sich über folgende Tatsache im Klaren sein: sämtliche für den NF-Audiobereich relevanten Röhrenschaltungskonzepte und die für die Röhrenelektronik so außerordentlich bedeutsame NF-Übertragertechnologie waren in den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts, d.h. in der Endphase röhrenbasierter Elektronik, mit einer auch beim aktuellen Stand der Technik nicht zu überbietenden Perfektion bis ins Detail völlig ausentwickelt und in ihrer Leistungsfähigkeit über Jahrzehnte ausgereift - mit Ausnahme diverser moderner Steuerungs- und Überwachungsmöglichkeiten mit Hilfe aktueller Halbleitertechnologie, bei der es sich durchgängig um die für den eigentlichen Verstärkungsvorgang belanglose Schaltungsperipherie handelt. Hinzu kommt selbstverständlich das heutzutage durch modernste Halbleitertechnologie ganz wesentlich gesteigerte Leistungspotential der gesamten Netzteilelektronik inklusive Schaltnetzteile und Transformatortechnik sowie die sehr deutliche qualitative Überlegenheit aktueller passiver Bauelemente - bei den aktiven Röhren ist die Situation genau umgekehrt. Dies hat zur Folge, daß signifikante Steigerungen der elektroakustischen Performance eines aktuellen Röhrenverstärkers keineswegs das verwendete Verstärker-Schaltungsdesign betreffen, sondern ausschließlich z.B. im Bereich der Verdrahtungstechnik, im Bauteilebereich und im Stromversorgungsaufwand erreicht werden können.

Insofern wird auch beim AUDICULA-II das Rad nicht neu erfunden: ausgehend vom unrealistischen Ideal eines "verstärkenden Drahtstücks" verfolgt die Schaltungskonfiguration des Verstärkermoduls die von mir favorisierte Devise "reduce to the maximum", was sich in meiner langjährigen Praxis im Umgang mit Verstärkerschaltungen immer als die vorteilhafteste Lösung herausgestellt hat. Hochambitionierte und hochkomplexe Elektronik, bei der das Nutzsignal zahllose aktive und passive Bauteile durchlaufen muss (Beispiele gibt es ja eine ganze Menge...) hatte für mich immer das akustische Nachsehen - weniger (wenn es gut gemacht ist...) ist hier eindeutig mehr...
Das elektronische Konzept des AUDICULA-II entspricht im Wesentlichen den bewährten Prinzipien des AUDICULA-I, verbindet altbewährte Röhrentechnologie mit modernster Halbleiterelektronik und arbeitet ebenfalls ohne den zur Impedanzanpassung normalerweise notwendigen Ausgangstransformator, der wegen der zu fordernden Breitbandigkeit und Linearität des Frequenzumfangs sowie des Klirrfaktors ein ausgesprochen kritisches Spezialteil darstellt, mit dem sehr vorsichtig umzugehen ist...
Eine andere Dimensionierung und eine veränderte Röhrenbestückung ermöglichen hingegen einen wünschenswerten Betrieb von Kopfhörern mit mittleren Impedanzen unterhalb der 100-Ohm Grenze, bei denen sich OTL-Röhrenendstufen aufgrund der technisch bedingten Fehlanpassung mit hohen Pegeln schwer tun - der normalerweise üppige Wirkungsgrad und Strombedarf der Treibersysteme kann im Extremfall Noise-Floor und Klirrgrad signifikant erhöhen.
Entstanden ist dabei ein außerordentlich feines Stück elektroakustischer Elektronik, dessen Performance sich ausschließlich an einem Hauptziel orientiert: bestmögliche elektroakustische Kopfhörerreproduktion ohne sinnentleerten SchnickSchnack für anspruchsvolle, linear "geeichte" Hörgewohnheiten von Aktivhörern, die in der Lage sind, sich am realen akustischen Vorbild zu orientieren ...

Die Elektronik des AUDICULA-II ist mit hochwertigen Bauteilen bestückt, selbstverständlich ebenfalls völlig "voodoofrei" und befindet sich in zwei ansprechenden Holz/Metallgehäusen mit ganz bewußt konzipiertem, auf des Wesentliche reduzierten "understatement-Design".:

enigma-line Audicula II Verstärkermodul
AUDICULA-II: das Verstärkermodul - hier eine Variante mit Teflon-Röhrenfassungen und vergoldeten Fassungskontakten, Holzdeckplatte und Zargen komplett in geölter Rotbuche, Treiberröhren Mullard CV4015, Endröhren von Svetlana

Da Marketing-Überlegungen bei der Konzeption des Verstärkermoduls selbstverständlich keinerlei Rolle spielten, wurde bei der Röhrenbestückung ganz bewusst auf große Oktalröhren (z.B. 6SN7 + Doppeltriode 6AS7G) aus der Vorkriegsära, die ihre aktuell sehr erfolgreiche Existenz in zahllosen Röhrenverstärkern lediglich ihrer durchschlagenden optischen Attraktivität verdanken, verzichtet: die großen Röhrentypen machen optisch zwar sehr viel her, sind aber ihren kleinen Nachkriegskollegen mit Miniatur-Noval- oder Pico7-Fassungen in technischer Hinsicht - nicht nur bei den wesentlich günstigeren Betriebsdaten - völlig hoffnungslos unterlegen, die damalige rasante Entwicklung von immer neuen und besseren Röhren kannte selbstverständlich keinerlei Stillstand, dazu nur ein Beispiel: die vielseitig einsetzbare und weit verbreitete Allglas-Miniatur-Noval-Doppeltriode ECC82 ist die "moderne", platzsparende Weiterentwicklung der bekannten "großen" Oktal-Doppeltriode 6SN7 von 1939 und hat den halben (!) Heizstrombedarf wie ihre Vorgängerin...

Wegen der beabsichtigten Reduktion der Schaltungskonzeption auf das Notwendigste beschränkte sich die Auswahl an aktiven Bauelementen auf zwei Röhrensysteme pro Stereokanal: In der Eingansstufe arbeitet eine übliche Kathoden-Basis-Schaltung mit einer "hochmodernen" Pico7-Pentode in Triodenkonfiguration, die das Eingangssignal für die Ansteuerung einer fulminanten Noval-Endtriode aufbereitet, ausgangsseitig wurde aus guten Gründen einer Class-A-SingleEnd Anoden-Basis-Schaltung ('Grounded Plate' oder auch 'Kathodenfolger') mit einer russischen Leistungstriode die Impedanzwandlung für den Kopfhörer übertragen.
Eine hier ebenfalls mögliche SRPP- "Gegentaktoption" - alias "Morgan Jones" mit drei Triodensystemen pro Stereokanal wie bei einem "earmax", dem polnischen Felix Euphoria oder bei dem US-amerikanischen Modell DECWARE ® CSP-2 - die eigentlich für Hochfrequenzanwendungen entwickelt wurde und im NF-Bereich Rauschprobleme verursachen könnte, wurde trotz der geringeren Anfälligkeit für Restbrummprobleme verworfen. Zudem wäre neben der Eingangstriode eine Doppeltriode pro Kanal erforderlich - schlecht für "reduce to the maximum" und nicht besonders vorteilhaft für ein kompromisslos transparentes Klanggeschehen, weniger ist hier eindeutig mehr.
Eine äußerst behutsame Gegenkopplung zur klanglichen Feinabstimmung ergänzt das Konzept.
enigma-line Audicula II Verstärkermodul
Die beiden Komponenten des AUDICULA-II Röhrenkopfhörerverstärkers

Ist die Dimension eines stromdurchflossenen Kabels für das Ausmaß des Stroms zu klein, erhöht man einfach den Kabeldurchmesser - ist der Ausgangswiderstand einer Röhre für niedrigere Lastimpedanzen zu groß, nimmt man entweder eine leistungsfähigere Röhre, oder schaltet eine zweite Röhre dazu parallel - die Gegentakt-Endstufen zweier berühmter Vintage-Bühnenverstärker, VOX AC30 und ECHOLETTE M40 arbeiten so. Die Parallelschaltung zweier Röhren oder auch zweier Röhrensysteme ist im HiFi-Sektor eher weniger üblich, zur Steigerung der OTL-Leistung - insbesondere bei Kopfhörerverstärkern - macht man es dann gerne mit Leistungs-Doppeltrioden wie einer 6H13C.
Beim AUDICULA-II werden zur Steigerung der für den Betrieb von Kopfhörern unterhalb der 300 Ohm Impedanz notwendigen elektrischen Steuerleistung die beiden Noval-Doppeltrioden des AUDICULA-I durch zwei als Pseudotrioden geschaltete Noval- bzw. Pico7-Pentoden und zwei moderne Miniatur-Leistungstrioden ersetzt.
Für den Endstufeneinsatz standen auch die optisch attraktiven und vielverwendeten Oktal-Doppeltrioden 6336A, die 6AS7 bzw. ihr russisches Äquivalent 6H13C, oder auch die phänomenale russische Einzeltriode 6C41C zur Diskussion - sie konnten sich aus verschiedenden Gründen gegen die Miniatur Noval/Pico7-Röhren nicht durchsetzen: zwei 6C41C-Leistungstrioden befeuern ihre Kathodenrohre bei 6 Volt Heizsspannung mit immerhin satten 6 Ampère, was für einen Röhren-KHV und die Dimensionen seiner Stromversorgung ein typischer 'Röhren-overkill' ist .

In ganz besonders prunk- und protzsüchtigen Exemplaren finden mittlerweile sogar schon - frei nach dem Motto big is beautiful - KT88-Röhren (Fostex...) oder sogar die berühmt-berüchtigte Königstriode 845/211 Verwendung in KHV-Konstruktionen (!) - für mich sind das einfach nur groteske "Lachnummern"... trotz der bekannten biblischen Story (1.Samuel/Vers17) von David und Goliath finden sie ihre Käufer...: Wer glaubt, mit riesigen, hier völlig deplazierten Terminator-Muskelpaketen dem Wesen der Musik auch nur einen Schritt näherzukommen, befindet sich trotz aller vorgetragenen Pseudo-Einwände schlichtweg auf dem vielzitierten Holzweg, auch die leistungshungrigsten isodynamischen "Ultra-Modelle" der aktuellen Kopfhörerszene aus China und USA sind mit dem Leistungsangebot der Röhre völlig überfordert...hier greift einfach das schlichte, aber anscheinend doch erfolgreiche Marketingkonzept mit dem "ausgewachsenen" bzw. "erwachsenen" Kopfhörerverstärker, der dem HiFi-Interessenten einen völlig substanzlosen und geradezu unsinnigen Zusammenhang zwischen Hardwaregröße und "großartigem" Klang einredet...
Die 845 ist eine ehemals kommerzielle Sendetriode von General Electric aus den dreissiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die aufgrund ihrer hohen Ausgangsleistung auch in Kino-Verstärkeranlagen im Zusammenhang mit dem aufkommenden Tonfilm eingesetzt wurde.
Der Einsatz einer altehrwürdigen 845 im KHV ist in etwa so, als würde man einem zweisitzigen Autowinzling Smart for two einen gigantischen, überaus durstigen Schiffsdiesel mit 20 Liter Hubraum verpassen, immerhin liefert eine 845 im Eintaktbetrieb (!) mit mindestens 1000 Volt und mehr Anodenspannung (!) maximal 20Watt NF-Leistung - genug Power um jeden Kopfhörertreiber des aktuellen Marktes nicht nur in Schall, sondern in ziemlich viel Rauch zu verwandeln, der durchschnittliche Leistungsbedarf aktueller Kopfhörermodelle liegt maximal - d.h. bei ohrschädigender Lautstärke - bei ca. 0,2 bis 0,5 Watt, in Ausnahmefällen bei wenigen völlig überteuerten, wirkungsgradschwachen isodynamischen Modellen geht es höchstens bis zu einigen wenigen Watt...
Zur Ansteuerung einer 845 muss man ihr zudem mit einer erheblichen Steuerleistung gewaltig 'ins Steuergitter treten', für die höchst umweltunverträgliche Stromversorgung einer 845 im Klartext heißt das: 6,5 Ampère Heizstrom bei 10 Volt Heizspannung für die direkte (!) Heizung von zwei 845 und eine garantiert letale (= 'todsichere') Anodenspannung von mindestens (!) 750 Volt und ordentlichen Anodenströmen (max.120mA...) zusammen mit einer schwindelerregend hohen Verlustleistung - höhere Spannungen gibt es zwar auch bei den elektrostatischen Kopfhörern, die dabei auftretenden Ströme sind aber geradezu lächerlich.
Richtig in Fahrt und damit in eine angemessene Arbeitsumgebung kommt die 845/211 aber erst ab ca. 1000Volt - im Normalfall trennt lediglich der übliche Ausgangstransformator den Kopfhörer von der Hochspannung, da hat man schlimmstenfalls tatsächlich die vielzitierte 'Kopfhörer-Granate' auf den Ohren...

Laut Datenblatt könnte man zwar eine Standard EL34 Endpentode auch mit 800Volt Anodenspannung betreiben, das ist aber das absolute Ende der Fahnenstange, eine 845 fängt da gerade erst an sich einigermaßen wohlzufühlen - da sind die Anodenspannungen einer 2A3 (250Volt) oder einer 300B (300Volt) geradezu ein 'Kinderspiel'...
Überdies ist man zwangsläufig auf qualitativ höchst zweifelhafte Röhren aus chinesischer Produktion angewiesen, die ich nach meinen umfänglichen Erfahrungen mit einigen wenigen Ausnahmen (selektierte Exemplare der 6N11 von Shuguang gehören dazu..) eher in die Kategorie 'minderwertig' einstufe und die auch schon mal ohne Vorwarnung implodieren können oder aus heiterem Himmel einen Elektrodenschluss mit weitreichenden Folgen produzieren... - die übliche Alternative von NOS-Röhren bzw. auch der KR 845 aus Tschechien scheitert im Normalfall an der mehr als ungünstigen Beschaffungs- und extremen Kostensituation.

Die Verwendung einer verstärkenden 845 in einem KHV ist "frei" nach William Shakespeares unsterblicher Komödie nichts anderes als much ado about little, aber man kann der riesigen Sendetriode ihre verkaufsfördernde, durchschlagend-wirkungsvolle optische und kalorische Attraktivität keinesfalls absprechen.
Mit einem derartig monströs bestückten Kopfhörerverstärker kann man natürlich - ähnlich wie mit einem monströsen SUV - vor allen Dingen eine ganz dicke Nummer abziehen...
Mit ihrer enormen Licht- und Wärmeleistung sorgt die Röhre jedenfalls an kalten Winterabenden gleichzeitig sowohl für schummrige Beleuchtung als auch wohlige Wärme im Abhörraum und last but not least auch für saftige Stromrechnungen. Der monströs-muskulöse thermoionische Bolide sprengt somit die Grenzen der normal üblichen Röhrenaura eines Verstärkers, darauf beruht im wesentlichen seine Reputation und der anhaltende kommerzielle Erfolg - ich kenne keinen einzigen Audioverstärker mit 845-Trioden in der Endstufe, bei dem das für kritische Ohren völlig inakzeptable Problem eines deutlich wahrnehmbaren Brummanteils (bei Lautsprecherbetrieb !) im Signal angemessen (!) gelöst wurde, die Röhre hat eine direkte Heizung, d.h. der Heizdraht selbst ist die Kathode, die somit nicht (wie bei indirekter Röhrenheizung) galvanisch von der Röhrenheizung getrennt ist. Die damit verbundene erhebliche Zunahme der Störspannungsempfindlichkeit spielt bei einem Kinoverstärker sicher keine Rolle - Zweifel sind angebracht, ob das bei einem Kopfhörerverstärker gutgehen kann...
Eventuell haben die Entwickler des Viva Egoista 845 vom italienischen Hersteller VivaAudio ja den Durchbruch geschafft: Mit einer Verstärkerleistung von 30 Watt (VOX AC30...) verstärkte einst George Harrison, der Leadgitarrist der Beatles, live in größeren Sälen den Sound seiner Sologitarre, der italienische Viva Egoista 845 30 Watt (!) Kopfhörerverstärker in "Porsche metallic blau" (ein Schelm, wer "böses" dabei denkt...), der immerhin ebensoviele Kilogramm wie Watt Gewicht auf die Waage bringt - das ist fast die Masse zweier stählerner, teuflisch schwerer Receiver-Ungetüme BRAUN regie510 von 1972, die immerhin rein rechnerisch 280Watt NF-Leistung absondern können...
Das italienische KHV-Monster hat einen sensationellen Verkaufspreis, der jegliche auf dem Boden der Tatsachen beruhende, realistische Vorstellungskraft um ein Vielfaches übersteigt, den Porschefahrer herausfordert und eigentlich nur noch zum Schmunzeln anregt, alles weitere siehe oben...
6C14P
Mein Plädoyer für die 6C19П...

Manchmal ist es notwendig, mangels westlicher Alternative auf russische Röhren zurückzugreifen: Klein, außerordentlich fein, extrem robust und innerhalb der Noval-Trioden völlig ohne angemessene westliche Konkurrenz ist die für damalige Verhältnisse "hochmoderne" russische 6C19П, einer Weiterentwicklung der großen russischen Oktal-Doppeltriode 6H13C (6N13S) und die Miniaturvariante der berühmten Militär Septar-Triode 6C33C (Spitzname "das Warzenschwein") mit ihren zwei getrennten Heizkreisen aus der Endphase der bedeutenden russischen Röhrenentwicklung, die - anders als in den westlichen Ländern - sehr weit in die sich abzeichnende Transistorära hineinreicht und so einzigartige Röhren herausbrachte. Die Wandstärke des Glasrohres und das präzise gefertigte Eingitter-Elektrodensystem sind so stabil konzipiert, daß sie kaum zu zerstören sind, extrem effiziente Oxidkathode und hoher Elektronenstrom bei äußerst mäßiger Anodenspannung (110V) - da können die vergleichsweise großen und direkt geheizten (!) amerikanischen Oldtimer-Vorkriegstrioden wie 2A3 oder 300B zwar optisch und kalorisch, aber rein technisch einfach nicht mehr mithalten.
Dieses filigrane thermoionische und elektromechanische "Wunderwerk" der allmählich von der Halbleitertechnik abgelösten Röhrenelektronik präsentiert noch einmal höchst eindrucksvoll das riesige Leistungspotential einer Noval-Miniaturtriode der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts, es hat viele Jahre gedauert, bis die Fortentwicklung der Transistortechnologie in der Lage war, hier auf "Augenhöhe" mit der etablierten Röhrentechnik angemessen zu konkurrieren ...

Zwischen einer direkt beheizten und vergleichsweise musealen 2A3 (die 2A3H ist indirekt beheizt und hat somit etwas weniger Restbrumm-Störpotential) und einer 6C19П liegen circa drei Jahrzehnte hochspezialisierter Röhrenentwicklung, inklusive ihrer extensiven Beschleunigung durch das Wettrüsten im Zweiten Weltkrieg, das bedeutet einen gewaltigen Entwicklungsvorsprung, der sich nicht nur in den elektrischen Daten wiederfindet... - vergleicht man den Entwicklungsstand der Elektronenröhren mit demjenigen der Transistoren gehört eine 2A3 etwa zu einem antiken Glasrohr-PNP-Germanium Punkt-Kontakt-Transistor wie dem OC71, eine 6C19П zu einem hochmodernen Epitaxial-PNP-Siliziumtransistor wie einem BC547... man kann den Vergleich auch mit spurgebunden Triebfahrzeugen anstellen: eine 2A3 entspricht dann einer Dampflokomotive etwa der Baureihe 44, eine 6C19П einer Elektrolokomotive der Baureihe 44...

Dieser außerordentliche, im wahrsten Wortsinn einzigartige "Kraftzwerg" ist die "treibende Kraft" und das "Geheimnis" der feinen und - falls das Quellmaterial es erforderlich macht - auch druckvollen Antriebsleistung der single-end Class-A Endstufen des Audicula-II, die ganz ohne die "Geh-Hilfen" von induktiven Übertragern und nach Abtrennung des Gleichspannungsanteils direkt an die beiden Schallwandlerspulen des Kopfhörers weitergegeben wird.
Die besondere Zirkonium-Getterung gibt den Blick auf die Elektroden frei: langer Kathodenkamin, Kerb-Steuergitter und großflächiges Anodenblech.

Mit einer maximalen Anodenverlustleistung von 11Watt bei äußert mäßigen Betriebsbedingungen kann es das kleine Miniatur-Kraftpaket fast mit einer großen "dome-type T16 glass envelope" 2A3 aufnehmen, die es bei 250V (!) Anodenspannung und 2500mA Heizstrom (!) auf 12,5Watt bringt...

In der Vorstufe des Audicula-II sind unterschiedliche Röhren einsetzbar: zum einen wie beim enigma-line 53 die wohlbekannte Novalpentode EF86, zum anderen aber auch zahlreiche Röhren aus der Reihe der interessanten PICO-7 Miniatur-Pentodenfamilien mit gleichem oder nahezu gleichem PIN-OUT, die sich für hochinteressante und aufschlussreiche Hörexperimente eignen.

In der aktuellsten Audicula-II Version lassen sich die beiden Miniatur PICO-7 Fassungen der Vorröhren mit zwei hochwertigen mehrpoligen Kipp-Umschaltern (keine billigen, verschleißanfälligen Schiebeschalter...) im Inneren des Verstärkermoduls für die unterschiedliche Sockelbeschaltung der 6CQ6 / 6AK5 / CV4014 Röhren jeweils anpassen, ein Röhrentausch über die 'Familiengrenze' der verwendbaren Röhren ist damit schnell und auf einfachste Weise möglich, was z.Zt. sicher einzigartig bei einem hochkarätigen Röhren-Kopfhörerverstärker ist.
Zur Wahl steht eine ungewöhnlich umfangreiche Röhrenpalette von sehr "modernen" Hochleistungspentoden im PICO-7-Format wie z.B. 6F21, 6CQ6, CV4015/M8161, EF92, EF95, CV4010, CV4014, CV2522, CV131, M8100, 6AM6, 6AK5, 6AS6, 5654, 5725, 5591, 6065, 6096, 403B, 9D6 oder auch deren russische Äquivalente 6SH1P bzw. 6SH2P - die Zahl der geeigneten Vorstufen-Pentoden ist ziemlich groß, was leicht dazu verführt, die knapp bemessene Freizeit statt mit Musikhören mit 'Röhren-Hören' zu verbringen... Jeder Röhrentyp hat seine besonderen Stärken und Schwächen (die russische 6SH2P harmoniert besonders gut mit dem Beyerdynamic T1), die selbstverständlich allesamt den jeweils vorhandenen persönlichen Hör-Präferenzen und Hör-Aversionen unterworfen sind.

Die von mir ausprobierten Exemplare benötigen zur vollen Entfaltung ihrer besonderen Qualitäten eine jeweils unterschiedliche Zeit des üblichen Röhren-'burn-in'.

Ähnlich wie in der Vorstufe des enigma-line 53 ist die Treiberröhre als Pseudo-Triode geschaltet, die Ausgangsleistung, aber auch der Klirrfaktor sinkt dadurch, der hohe Verstärkungsfaktor der Pentode macht hier wenig Sinn, da die Line Hochpegel-Ausgänge der CD-Player ausreichende Steuerspannung bereitstellen.

Die nachfolgende Impedanzwandlerstufe arbeitet in jedem Stereokanal mit einer faszinierenden Miniaturröhre, einer Leistungstriode mit Novalfassung - die äußerst solide gebaute, kraftvolle 6C19П, ursprünglich von den bekannten russischen Röhrenspezialisten Ulyanov und Svetlana entwickelt und produziert. Die US-amerikanische HiEnd-Schmiede WooAudio ® setzte diese Röhre in einem ihrer bekanntesten KHV-Modelle, dem gigantischen WooAudio4 (Gewicht 15kg) als Endröhren (mit Transformatorkopplung, zwei Netztrafos, zwei Siebdrosseln...) ein. Mittlerweile gibt es von dieser Röhre auch eine ziemlich "lausig" gemachte chinesische Kopie 6C19-J.
Bei den Röhrenfassungen wurde bewußt auf die preislich günstigen, aber wenig präzisen Standard-Exemplare aus chinesischer Massenproduktion verzichtet - diese halten nur wenig Röhren-Steckzyklen aus, trotzdem werden sie sowohl in Vollröhren- als auch Hybrid-KHV der 3000€ - 3500€ Klasse (!!) verbaut: die beiden strompotenten Endröhren-Kraftpakete stecken (wie die Vorröhren...) entweder in hochwertigen, hitzeresistenten NOS-Keramikfassungen von RFT, dem Herstellerverbund Rundfunk und FernmeldeTechnik der ehemaligen DDR, oder in hochpräzisen Keramik-Edelfassungen mit vergoldeten Fassungskontakten. Die RFT-Röhrenfassung ist eine spezielle Fassungsvariante mit versilberten Kelchfederkontakten, die in röhrenbestückten Messinstrumenten verwendet wurde und mit den billigen Keramikfassungen aus China nicht vergleichbar ist.
Wegen der ungewöhnlichen Getterlegierung fehlt der 6C19П der sonst übliche undurchsichtige Barium-Getterspiegel am oberen Pumpstutzen der Röhre - zusammen mit dem offenen Anodenblech wird die optische Attraktivität des feinmechanischen Meisterwerks enorm gesteigert, da sich damit ein ungehinderter Blick auf die filigrane Konstruktion und die außerordentlich präzise Fertigung von Kathodenrohr, Anodenblech und Kerb-Steuergitter eröffnet. Laut Datenblatt hat die Noval-Triode eine für Röhren sehr niedrige Ausgangsimpedanz und könnte immerhin eine maximale Anodenverlustleistung von 11 Watt liefern, das entspricht fast der Leistung der bekannten Endpentode EL84 mit ihren 12 Watt... Der Preis dafür ist der ungewöhnlich hohe Heizstrombedarf dieser Noval-'Power-Röhre', der mit über einem Ampère bei 6,3 Volt Heizsspannung denjenigen der bereits erwähnten EL84 oder sogar einer Oktal Beam-Power-Tetrode 6L6 übertrifft
enigma-line Audicula-II mit dem circumauralen AKG K-701
AUDICULA-II mit dem circumauralen AKG K-701: "nur Fliegen ist schöner..."
- eine Serienheizung der beiden Exemplare mit der doppelten Spannung halbiert zwar den üppigen Strombedarf, die elektrische Leistung bleibt jedoch gleich und der geradezu 'gigantische' Kathodenkamin des kleinen Energiebündels produziert zusammen mit dem Class-A Betrieb der Triode eine nicht unerhebliche Wärmeentwicklung...

Das eigentliche Problem eines Röhrenverstärkers für den Kopfhörerbetrieb ist beileibe nicht die Verstärkerelektronik, sondern das Netzteil, das sich mit einer angemessenen Versorgung des Verstärkerteils mit den notwendigen sauberen und belastbaren Gleichspannungen zu beschäftigen hat - ein Röhrenverstärker ist prinzipiell brummempfindlicher als ein Halbleiterverstärker, ein Röhren-Eintaktverstärker ist zudem wesentlich brummsensibler als ein diesbezüglich vorteilhafter Röhren-Gegentaktverstärker mit dem normalerweise obligatorischen Ausgangstransformator (CMR, Common Mode Rejection), hinzu kommt die beim Kopfhörerbetrieb enorm niedrige Wahrnehmungsschwelle für die bei Netzbetrieb technisch unvermeidlichen Restbrummanteile im Signal, die große Sorgfalt bei Konzeption und Siebaufwand notwendig machen. Sogar der Vorgänger des neuen WA33, der teure WA22 Vollröhren-Kopfhörerverstärker (mit Transformatorkopplung), aus der angesehenen amerikanischen Firma Woo Audio ®, hat bei Kopfhörern mit hohem Wirkungsgrad mit ganz deutlichen Restbrummproblemen zu kämpfen...
Das aufwändige und großzügig dimensionierte, stromergiebige externe Netzteilmodul, das - wie bei allen Röhrengeräten der enigma-line Baureihe - aus guten Gründen selbstverständlich mit moderner Halbleiterelektronik arbeitet, liefert dem Verstärkermodul die notwendigen Versorgungsspannungen.

Rockmusikgitarristen lecken sich die Finger danach, der VOX AC30 hatte einen (den vergleichsweise "modernen", weil indirekt beheizten Doppelweggleichrichter GZ34 von 1954) und viele andere Bühnenverstärker damals wie heute auch, wegen der hohen Spannungen waren Selen- und Kupferodydulgleichrichter (auch unter dem Namen "gleich-riecht-er" bekannt...) keine Alternative: der Röhrengleichrichter besorgte die Gleichrichtung der hohen Anodenspannung für die Versorgung der Verstärkerröhren. Die einfachste Elektronenröhre, die Röhrendiode, die in ihrer Urform lediglich die zwei Elektroden Kathode und Anode besitzt, kann lediglich jeweils eine "halbe" Welle einer Wechselspannung gleichrichten und war bereits im bekannten Audion-Volksempfänger VE301 als direkt geheizte RGN354-Halbwellengleichrichter-Röhre (1929) im Einsatz. Eine zweite Röhrendiode oder ein zusätzliches Diodensystem im Glaskolben (die ersten Röhren ICs...) ermöglichte bei späteren Röhren wie bei der ebenfalls direkt geheizten AZ11 bereits die überlegene Vollwellen-Gleichrichterdiode, die bei anspruchsvollerer Elektronik wie dem Superhet-Radioempfänger Graetz Super 51W von 1939 mit dem entsprechend höheren Aufwand nahezu ausschließlich verwendet wurde.

Der Hype und die 'Legende' von der klanglichen Überlegenheit der musealen Gleichrichter-Röhrendiode - es geht hier nicht um die Verstärkerröhre - mag für erwünschte Überbetonungen von Anschlagsvorgängen bei Bühnen-Röhrenverstärkern durchaus vertretbar sein, bei HiFi-Geräten ist die von vielen kommerziellen Herstellern von Röhren-HiFi-Equipment (u.a. auch von ALO-audio und WooAudio ...) aus Gründen einer nostalgisch verklärten Marketingstrategie gepredigte Behauptung, wie bereits in einem anderen Kapitel erwähnt, für mich weder elektronisch noch akustisch nachvollziehbar, genau das Gegenteil ist der Fall.
Die direkt geheizte 5U4 Zweiweg-Gleichrichterröhre hatte anfangs einen Stahlkolben, deren Kathode somit im Verborgenen glühte - der Stahlkolben wurde bei späteren Exemplare 5U4G von 1938 sowie bei der indirekt beheizten 5U4GB durch einen Glaskolben ersetzt. Rundfunk-Röhren wurden damals so verbaut, daß ihre leuchtenden Heizfäden üblicherweise nicht zu sehen waren, heute sorgt ein absichtsvoller, sichtbarer Einbau und das schummrige Leuchten der Röhrenkathoden für den Wow-Effekt und wird gerne als umsatzsteigernder Marketing-Akzent in Röhrenverstärkern genützt.
Die weniger strompotente, aber wesentlich effizientere "moderne" Miniatur-Novalvariante mit indirekter Heizung EZ81/6CA4 von 1956 - beides Standard-Gleichrichter für vielerlei Elektronik, insbesondere für tolle Juke-Boxen aus der Röhrenära - nützt zwar beide Halbwellen der sekundären Trafo-Wechselspannung, benötigt dafür aber am Netztrafo eine aufwändige Sekundärwicklung mit Mittelanzapfung und könnte bei Verwendung von zwei Exemplaren auch notfalls (!) die "Brückengleichrichtung", ihre Betriebsbedingungen sind jedoch alles andere als günstig: der Hochspannungs-Röhrengleichrichter ist ein hochbelastetes (Lebensdauer ca. 500 Stunden), unzuverlässiges Verschleißteil und zum einen neigt die Röhrendiode bei entsprechender Stromentnahme (z.B. hohe Anschlagsenergie bei Klaviermusik oder Orchestertutti im fortissimo etc.) durch den hohen Innenwiderstand zum "Dipping" bzw. "Sag", d.h. zum Einbruch der erzeugten Anodenspannung und damit zur Verschiebung von Arbeitspunkten der versorgten Röhren - Signalmodulationen ("Röhrenkompression"...) sind das Resultat der permanenten Spannungsschwankungen am Röhrengleichrichter.
Zum anderen hat das "Gleichrichter-Rohr" wie alle Leistungsröhren eine extrem schlechte Leistungsbilanz. So "verspeist" z.B. ein symmetrisches Eintakt-ClassA-Vollröhren-Verstärkerkonzept mit Transformatorkopplung wie etwa beim neuen, einen halben Zentner (!) schweren Single-End WooAudio-Dampfross WA33 Kopfhörerverstärker(!) mit seinen fünf dome type glass envelope pre-war-tubes und vier russischen Miniatur Noval-Treibertrioden bei Standardbedingungen nahezu 15 Ampère (!) Heizstrom, davon alleine 3 Ampère (!), also 20%, nur für den 5U4G Röhrengleichrichter, der dafür als "Gegenleistung" einen pulsierenden, positiven 100Hz Laststrom von lediglich maximal 235mA abliefern kann.
Zum Vergleich: im 'legendären' Klemt Echolette M40 arbeiteten zwei parallel geschaltete und indirekt geheizte "moderne" Miniatur-Noval Röhrendioden EZ81 mit einem Heizstrom von zusammen 2 Ampère, die kommen immerhin auf maximal 300mA Laststrom, ihnen fehlt aber der für die optische Inszenierung der Röhren und damit die Erzeugung des "Haben Willst" oder auch "Wow"-Faktors so wichtige "wuchtige" Oktalsockel und der große dome-type ST-16 Glaskolben (siehe oben "big is beautiful"...) ...

Nur zur Orientierung: der durchschnittliche Leistungsbedarf der Treiber eines dynamischen Kopfhörers bei maximaler, sehr ungesunder Lautstärke liegt bei 0,5 bis 1Watt...

Die Röhrendiode ist somit schlichtweg keinesfalls vergleichbar mit einer hochmodernen state-of-the-art-ultra-fast-soft-recovery-Epitaxial-Gleichrichterdiode wie z.B. eine HFA15xB60PbF oder auch die Silizium Carbid (SiC) Hochvolt Schottky-Dioden von INFINEON ® oder IXYS ®, die keinen störenden reverse-recovery-Effekt haben, der ungünstige RR-Spikes produziert und durch die Sperrverzögerungszeit bei normalen Halbleiter-Gleichrichterdioden entsteht. Die erwähnten HighTech-Dioden beherrschen sämtliche elektronische Anforderungen - und darüber hinaus auch diejenigen "zwischen den Zeilen" - im wahrsten Sinn ganz "cool" d.h. ohne eine stromfressende Kathodenheizung (!) ganz souverän, was eine simple Zweiweg-Standard Röhrendiode trotz heftigster Schweissausbrüche damals wie heute einfach niemals liefern konnte und kann und das zu einem Preis, der geradezu lächerlich anmutet: eine Hochspannungsbrücke (max. 1000V) mit 4 normalen Silizium Standarddioden 1N4007 ist schon für 20 Eurocent (plus 4 RC-Snubber gegen RRS...) zu haben, die oben erwähnte HighTech-Diode HFA15xB60PbF für etwa 1/50stel einer aktuell produzierten Standard 5U4G, bei NOS-Röhren 1/500stel bis 1/1000, bis hin zu einer sündhaft teuren japanischen Schönheit 274B (1/2000stel...) von Takatsuki, deren Ladekondensator wegen des hohen Ladestroms aber nur maximal 4 Mikrofarad betragen darf...da gibt es eventuell Probleme mit dem Restbrumm...
Der englische Elektronikingenieur und Röhrenspezialist D.T.N. Williamson hätte sich über moderne Silizium-Gleichrichterdioden sicher sehr gefreut...

Der nicht unbekannte Hersteller von Bühnenelektronik Klemt-Echolette-Dynacord hat es bereits früh erkannt und reagiert. Die Schaltungsentwickler verpassten den damals modernsten (!) Röhrenverstärkern M80 und M120 ab 1966 nicht nur die sagenhaften, hochsteilen Beam-Power Spanngitter Pentoden EL503 (Originalton VALVO: "Auf der obersten Stufe der Entwicklung") in ihren Ausgangsstufen, auch die hoch belasteten Netzteile wurden der technischen Entwicklung angepasst: im ehemals urtümlichen Anodenspannungs-Gleichrichterzweig flogen mit dem größten Vergnügen (!) die antiquierten, verschleißanfälligen Röhrendioden kurzerhand raus und wurden durch die mittlerweile verfügbaren spannungsfesten, zuverlässigen und insbesondere langzeitstabilen Silizium-Diodenbrücken ersetzt, eine weise Entscheidung, da der Zusammenbruch der alternden Röhrendioden häufig die Zerstörung der Hochspannungswicklung des teuren Netztransformators bedeutete.
Die Hochleistungspentode EL503 war der Schluss- und Höhepunkt der Röhrengeschichte im westlichen Europa, das Ergebnis einer brillianten Ingenieursleistung konnte sich jedoch gegen die mittlerweile übermächtige und technisch überlegene Halbleitertechnologie nicht mehr durchsetzen, neu entwickelte Leistungstransistoren wie der 2N3055 in den Endstufen waren die Sieger im Zweikampf Röhre/Transistor, die Herstellung der EL503 wurde nach kurzer Produktionszeit wieder beendet...
Über 50 Jahre alte, gut gepflegte Exemplare eines M120 haben zwar einen mehrfachen Röhrenwechsel bis hin zum Umbau auf 6L6Endröhren (eine EL503 ist kaum zu ersetzen...) hinter sich, die Silizium-Gleichrichterbrücke ist jedoch fast immer noch das Original...

Eine Gleichrichter-Röhrendiode hat aus meiner Sicht in einem anspruchsvollen Netzteil für ein hochwertiges HiFi-Verstärkerkonzept technisch/elektronisch/klanglich heutzutage weder etwas verloren noch etwas zu suchen, sie ist durch die prinzipbedingten immanenten Signalveränderungen dort einfach deplatziert und nur noch kontraproduktiv, da sie zu viel elektronisches Potential verschenkt und neben zahlreichen Nachteilen zu ihrer Ehrenrettung eigentlich nur drei Vorteile zu bieten hat:

1. Sie leuchtet - besonders bei direkter Heizung - wie der Heizkasten einer ehrwürdigen Dampflokomotive schummrig-schön, d.h. man sieht förmlich, wo die akustische Energie für den Verstärkungsvorgang herkommt - was aber nicht zu ihren Aufgaben gehört
2. Sie bietet durch die Anheizzeit der Kathode einen prinzipbedingten Softstart der Anodenspannung, was sich heutzutage jedoch mit einfacher Elektronik simulieren lässt
3. Sie hat ein günstiges Schaltverhalten beim Nulldurchgang ohne RRS, die bei Verwendung von Gleichrichter-Standardioden auftreten

Der Faszination einer Dampflokomotive kann man sich auch kaum entziehen, das technische Potential des eindrucksvollen stählernen Kolosses ist jedoch genauso völlig "out"... siehe auch hier...

Es muss auch einmal gesagt werden: Aktuelle puristische Röhrenverstärkerkonstruktionen mit einer historisierenden, anachronistisch-nostalgischen und sowohl in Anschaffung als auch im Betrieb unverhältnismäßig teuren Röhrengleichrichtung verlieren aus meiner Sicht den eigenen Anspruch, in der Riege der exzellenten HiFi-Kreationen ganz oben mitzumischen - ähnliches gilt auch für den Bereich der verbauten Netztransformatoren, wobei sich die altbekannten lowcost-Varianten mit EI oder M-Blechkernen wegen ihres hohen Streufelds, geringer Effizienz und großem Gewicht hier ebenfalls tunlichst heraushalten sollten - es gibt heutzutage wesentlich bessere Trafotypen.
Wenn es gut gemacht wird, ist auch ein modernes Schaltnetzteil eine gute Lösung - der REVOX B251 von 1987 und seit diesem Jahr völlig problemlos in meinem Besitz, hat es, zumindest in dieser Richtung, vorbildlich vorgemacht.
Die im Bereich HiFi häufig zitierte Binsenweisheit, daß eine Reproduktionskette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied - und die Röhrendiode ist ein äußerst schwaches Glied... - gilt selbstverständlich auch für die interne Konfiguration einer Verstärker- und Netzteilelektronik, deren Leistung nur so gut sein kann, wie es das konstruktive Gesamtkonzept zulässt, Designmumpitz und marktschreierische Angebereien spielen dabei keine Rolle...
In den Entwicklungsabteilungen der HiEnd-Elektronik Hersteller haben zusehends nicht mehr die Ingenieure, sondern die Marketingspezialisten das Sagen - marktstrategisch (die "Vollröhre" inklusive einer Röhren-Gleichrichtung à la Volksemfänger muss es unbedingt sein, mindestens 20Watt Ausgangsleistung muss ein KHV abliefern können, das geht zur Zeit...etc...) werden hier die Hardcore Oldtimer-Röhrenpuristen und Nostalgiker adressiert, die können sich sowohl den ganz erheblichen Mehrpreis als auch den Betrieb eines technisch längst überholten, antiken Gleichrichtungkonzepts der Anodenspannung durchaus leisten...

Sämtliche Röhren-Heizspannungen am Netzteilausgang des AUDICULA-II sind gleichgerichtet und gesiebt, die Heizspannungen der Vorröhren sind elektronisch stabilisiert, die notwendige elektrische Leistung für das Verstärkermodul stellt ein streuarmer und kompakter Toroidtransformator zur Verfügung, der ähnlich wie der innovative R-Kern-Trafo ein Minimum des unvermeidlichen mechanischen Netzbrumms produziert. Mit zwei separaten Anodenspannungs-Transformatoren, zwei Gleichrichterbrücken mit soft-recovery-Dioden, zwei Hammond ® - Siebdrosseln zur Ausfilterung von Restwelligkeiten und jeweils einer eigenen doppelt geregelten Hochvoltelektronik mit aktuellen MOS-FETs pro Stereokanal ist der AUDICULA-II konzeptionell ein echtes Dual-Monogerät, das für überragende Übersprechdämpfung und damit für optimale Trennung der beiden Stereokanäle verantwortlich ist und bei entsprechendem Aufnahmematerial für eine geradezu 'holografische' Raumauflösung sorgt.
Die stabile Ankoppelung der Stromversorgung an das Verstärkermodul bewerkstelligt eine Lapp-Ölflex ® Kabelverbindung zusammen mit fünfpoligen Neutrik ® XLR-Steckverbindern - leider nicht ganz so billig wie die verbreiteten 'China-Crackers', aber in ihrer bis ins Detail durchdachten und kaum zu überbietenden Qualität an Preiswürdigkeit und Langzeitstabilität nicht zu übertreffen. Ein Alps-Drehpotentiometer sorgt für das präzise spielfreie 'Drehgefühl'.

Auch beim AUDICULA-II wird die Netzteil-Steuerzentrale komplett über hochwertige Taster mit nachgeschalteter Mechatronik gesteuert. Das Netzteil enthält selbstverständlich eine automatische, elektronisch verzögerte Zuschaltung der Hochspannung, wobei der jeweilige Schaltzustand des Moduls über LEDs optisch signalisiert wird.

Besonders spannend waren natürlich die ersten Höreindrücke mit dem offenen/circumauralen AKG K701 - aufgrund seiner relativ niedrigen Impedanz (62Ohm) und des nicht gerade üppigen Wirkungsgrads (105db/V) ist der Kopfhörer für eine OTL-Röhrenendstufe nicht einfach anzutreiben, ist aber für meine Klassik / Jazz-Hörgewohnheiten besonders geeignet und klingt entgegen des vielfach geäußerten 'Einspiel-Postulats' out of the box genauso excellent wie nach inzwischen mehreren hundert Stunden Hörbetrieb - was auch nicht verwundert: auf dem heiß umkämpften Kopfhörermarkt kann sich kein Hersteller ein Produkt leisten, das erst nach einigen hundert Stunden zur klanglichen Höchstform aufläuft.
Der K701 offenbart ein mit der in den einschlägigen HiFi-Gazetten üblicherweise verwendeten pseudoliterarischen HighEnd-Prosa kaum zu beschreibendes tiefgestaffeltes, weiträumig und subtil bis in feinste musikalische Mikrostrukturen ausgeleuchtetes, authentisches Klangbild - mit dem aufgrund seiner 600Ohm-Impedanz für einen Röhrenbetrieb prädestinierten, halboffenen/circumauralen und kostspieligen Ausnahmekopfhörer Tesla1 des Heilbronner Spezialisten Beyerdynamic steigert sich das Hörerlebnis nochmal zu betörenden akustischen Höhenflügen: bei kammermusikalischer Besetzung und bei gehörschonenden Lautstärken entfaltet der T1 eine bewundernswerte mikrodynamische Finesse, die ich so noch nicht gehört habe. Die akustische Abstimmung beider Hörer kommt einer eher konzentrierten cogitativen Rezeptionshaltung sehr entgegen, bei interpretatorisch und akustisch hochwertigem Quellmaterial werden komplexe und dicht komponierte musikalische Einzelheiten auch ohne Zuhilfenahme visueller Unterstützung wie Partituren deutlich hörbar.

Das Hören gestaltet sich dann ähnlich wie das Betrachten und 'Spazierengehen' in einem photographischen Bild, das mit einem Großformat-Negativ erzeugt wurde: die feinsten Verästelungen von musikalischen Vorgängen hochkarätiger CD-Aufnahmen werden mit einer staunenswerten Intensität hör- und lustvoll erlebbar...

Auch die mittlerweile ausgiebigen Hörtests mit klanglich optimalen CDs, 'eingespielten' Röhren und den unterschiedlichsten Musikgattungen meiner Hörgewohnheiten, die von kleinformatigen akustischen Jazzformationen, a cappella Chormusik, Kammermusik, Klavier-, Cembalo- und Orgelmusik bis hin zu großformatigen Orchesterwerken reichen - also durchwegs Laufzeit-Stereophonie ohne elektronischen Sound-Schnickschnack - bestätigen die bei den ersten Höreindrücken gewonnene überragende Mikropräzision der akustischen Performance, insbesondere der Kombinationen AKG K-701 / AUDICULA II und Beyerdynamic T1 / AUDICULA II, deren Synergien sich mit einer ganz besonderen CD offenbarte: zum ersten Mal habe ich mit einer elektroakustischen Reproduktion den köstlich-herben klanglichen Charme von ungleichen Halbtonschritten und das geradezu edel leuchtende Maß der reinen Großterz und der nahezu reinen Kadenzierungen einer frühbarocken Cembalokomposition durch hörendes Erleben gleichermaßen 'verstanden' wie bei einer Live-Aufführung - Hans Leo Hasslers (1564-1612) 31 Variationen über die Melodie "Ich gieng einmal spatieren" (auch bekannt als Choralkontrafaktur "Von Gott will ich nicht lassen"), dargeboten auf einer wunderbar mitteltönig gestimmten Kopie eines noblen flämischen Jan Ruckers Cembalos aus dem Jahr 1640, gebaut in der badischen Cembalowerkstatt MERZDORF. Im Zentrum des faszinierenden Hörerlebnisses steht der klanglich überbordende, vibrierende Reichtum des Obertonspektrums der dünnen Cembalosaiten, gebändigt durch die harmoniebildende reine Großterz der historischen Stimmung, auf Kosten einer durchaus akzeptablen akustischen 'Unreinheit' der übrigen Intervalle - natürlich mit der üblichen Ausnahme der Oktave...
enigma-line Audicula II mit Beyerdynamic Tesla 1 Kopfhörer
Überlegenes Dream-Team: Aktueller AUDICULA- II mit dem 600 Ohm Beyerdynamic T1 und Toggle-Relais Netzteilvariante - Gehäuseholzteile Rotbuche geölt - wer da mithalten will muss sich schon gewaltig ins Zeug legen...

Ein kaum zu bewältigender und wohl auch nicht mehr zu überbietender Prüfstein für jede Art von technischer Speicherung und elektroakustischer Wiedergabe sind die Piu mosso Schlusstakte des riesig-grotesken Scherzosatzes aus Gustav Mahlers cis-moll-Sinfonie, mit denen die zweite Abteilung des großorchestralen Kolosses zu einem fulminanten und überwältigenden Abschluss gebracht wird. Im extremsten Gegensatz zum nachfolgenden überirdisch-verklärten Adagietto peitscht hier Mahler die ausufernde spätromantische Riesenbesetzung des Orchesters unter Aufbietung aller Kräfte ('fortissimo' - 'sehr wild' - 'noch rascher') zu einer grandiosen Finalwirkung - das in wenigen Takten bis zum kurzen, aber mächtigen D-Dur Schlussakkord im fortissimo possibile fff geradezu maßlos-unbändig explodierende ('Sehr drängend bis zum Schluss') Orchestertutti hinterlässt in der Kopfhörerwiedergabe einer gleichermaßen vielbewunderten und spektakulären Aufnahme mit Pierre Boulez und den Wiener Philharmonikern (das Konzertorchester der Wiener Staatsoper, Gustav Mahler wurde vom Orchester 1898 bis 1901 zum Chefdirigenten gewählt...) einen völlig faszinierten und fassungslosen Zuhörer...

Für Gustav Mahlers wunderbar tiefgründige, hochkomplexe Orchestermusik mit ihrer häufigen Neigung zur grenzenlosen klanglichen Eruption, mit ihrem ständigen Wechsel von Spalt- und Mischklang, ihrem fein ziselierten kammermusikalisch-transparent geführten Stimmengeflecht, aber auch ihrem häufig zu einer einzigen riesigen Stimme verschmelzenden Orchestertutti, gibt es kaum eine lautsprecherbasierte elektroakustische Wiedergabe, die den Forderungen des Komponisten einigermaßen angemessen wäre, die in der Partitur gestellte akustische Aufgabe liegt außerhalb der Reichweite des Systems - eine hochkarätige Kopfhöreranlage bietet hier eine kostengünstige sinn- und erlebnisreiche Alternative.

In den von Boulez dynamisch gnadenlos entfesselten Tutti-Takten zeigt sich eine deutlich wahrnehmbare Überlegenheit des T1-Kopfhörers, die über eine subjektiv bewertete Nuancierung hinausgeht. Der T1 ist klanglich alles Andere als der vielzitierte "Understatement-Kopfhörer" - vor allem ist er gerade das eben nicht, weder übertreibt er noch untertreibt er, das "Übertreiben" beherrschen besonders die "Giganten" der aktuellen isodynamischen Kopfhörerszene, die damit um die Gunst des Hörers buhlen...
Der T1 ist schlichtweg ein linear wiedergebender Monitor für den Klassikfan, eine hochkarätige Stradivari wie z.B. die "Golden Bell" der Schweizer Geigerin Simone Zgraggen bleibt klanglich - selbstverständlich im Rahmen der elektroakustischen Möglichkeiten - das was sie ist, sie mutiert klanglich keineswegs in eine Violine des Tiroler Geigenbauers Jacob Stainer, aus einem Bösendorfer Imperial wird auch kein Steinway-D Flügel, es ist einfach monitortaugliche, lineare Akkuratesse...
Das Alleinstellungsmerkmal einer 600 Ohm Treiberimpedanz des T1 passt zudem besser zu dem nicht unkritischen OTL-Antrieb: bei einer angemessenen, nicht übertriebenen Lautstärke hat der T1 das jeden Kopfhörertreiber herausfordernde musikalische Geschehen souveräner im Griff als der AKG K-701 mit seinen 62 Ohm, was auch bei diversen anderen dynamischen Extremstellen (!) der Musikliteratur zu hören ist: Max Reger, Introduktion und die beiden letzten Passacaglia-Variationen d-moll für Orgel von 1899, gespielt von Edgar Krapp auf der üppig-protzigen Eisenbarth-Orgel des Passauer Doms, Teile aus Witold Lutoslawskis Konzert für Orchester in der überwältigenden Einspielung von Mariss Janson und dem SO des Bayerischen Rundfunks, weiterhin Giuseppe Verdi, Requiem, "Dies Irae" oder die irrwitzigen Schlusstakte des "Danse sacrale" aus Strawinskys Le Sacre du Printemps.
Angesichts eines fast fünffachen (!) Kaufpreises des Beyerdynamic T1 sind kleine akustische Vorteile durchaus zu erwarten...
enigma-line Audicula II mit AKG K-141 Monitor, 600 Ohm
Passt technisch sehr gut zusammen, kann aber das elektronische Potential des KHV nicht komplett ausloten, ist so manchem aktuellen Kopfhörer-Zeitgenossen in der Ausgewogenheit seiner Übertragungsleistung immer noch haushoch überlegen: AUDICULA-II mit dem altehrwürdigen Kult-Kopfhörer AKG K-141 Monitor, 600 Ohm...

Das Terrain der Klaviermusik stellt aufgrund der vorhandenen perkussiven Einschwingvorgänge bei der Klangerzeugung höchste Ansprüche an die Qualität einer elektroakustischen Wiedergabe, insbesondere bei der mehr als üppigen Klangfülle spätromantischer Klavierliteratur. Eine an die technischen Grenzen gehende Herausforderung für jeden guten Kopfhörer ist die von Jewgenij Kissin auf einem Steinway-Flügel 2005 eingespielte Sonata reminiscenza op.38/1 seines Landsmanns Nicolai Medtner: von zärtlich hingehauchter pianissimo-Lyrik bis zu grandios aus dem Instrument herausgeschleuderten fortissimo-Akkordkaskaden reicht die dynamische Bandbreite der verstiegenen Klangwelt des Komponisten - auch hier zeigt sich die beeindruckend-souveräne Leistungsfähigkeit der beiden Kopfhörer, die an keiner Stelle der komplexen Klavierpartitur die Übersicht verlieren. Besonders erwähnenswert ist ihre äußerst realistische und niemals dick aufgetragene Fähigkeit zur Reproduktion des überwältigenden Glanzes von Tenor- und Bassregister des Flügels, zusammen mit einer intensiv leuchtenden Brillanz des ein- und zweigestrichenen Oktavbezirks - ganz besonders typisch und unnachahmlich für ein großes STEINWAY-Instrument, überzeugen kann mich in dieser Hinsicht ein Audeze LCD-2 nicht...
Ähnliches gilt ebenfalls für die faszinierende Gesamteinspielung der Klaviersonaten von L.v.Beethoven des Beethovenspezialisten Michael Korstick - interpretatorisch anknüpfend an die zeitlich weit zurückliegende Einspielung eines Friedrich Gulda, in der Wahl der Tempi noch riskanter und kompromissloser, musikalisch und aufnahmetechnisch auf überragendem Niveau...

Zum Thema Hörerlebnis ist noch folgende Überlegung für den Bereich des Klassik-Genres erwähnenswert: für eine allseits erwünschte Intensivierung des Hörelebnisses wird der Anteil der Klangqualität (eine musikalische Tertiärkomponente) einer Aufnahme in Relation zum Anteil der Interpretationsqualität (eine musikalische Sekundärkomponente) bei weitem total überschätzt. Der echte Klassikliebhaber, der zugleich Kenner und somit auch Aktiv-Hörer ist, interessiert sich nach meinen Erfahrungen sehr viel mehr für die eigentliche Quelle eines emotionalen Höhenflugs: es ist die engagierte und tiefgründig auslotende Interpretation im Dienst einer kompositorischen Idee und keineswegs eine technisch perfekte Klangqualität, ein optimaler Kopfhörer oder ein angeblich 'märchenhafter' DAC etc. - diese Dinge sind lediglich 'Randerscheinungen', wobei beide Bereiche sich manchmal durchaus ideal ergänzen können.
Ein Beispiel hierfür liefern zwei über 50 Jahre alte Klavieraufnahmen, beide in der damaligen Sowjetunion entstanden und beide mit Musikerpersönlichkeiten mit grenzenlosen, geradezu überirdischen Fähigkeiten verbunden: zum einen ist es die kürzlich erschienene Gesamteinspielung sämtlicher Klaviersonaten von Alexander Scrjabin mit dem 1961 verstorbenen legendären Wladimir Sofronitzki, dem Schwiegersohn von Scrjabin, zum anderen das Klavierprélude op.23 Nr.5 'Alla marcia' von Sergei Rachmaninoff, bei dem die eher schmale musikalisch-kompositorische Substanz des Stückes jeden Pianisten zu einer interpretatorischen Gratwanderung zwischen übersteigertem Parforceritt und melancholischem Absturz im Mittelteil herausfordert.
Die wohl überzeugendste Referenz-Interpretation dieses im wahrsten Wortsinne leider ziemlich 'abgedroschenen' Stücks stammt aus dem Jahr 1960 und ist in den besagten sowjetischen Tonstudios entstanden, deren Tontechnik damaligen westeuropäischen Maßstäben deutlich hinterherhinkte und klangtechnisch meilenweit entfernt ist vom aktuellen Aufnahmestandard hochkarätiger Produktionsstudios.
Aber am Flügel saß bei dieser Aufnahme Svjatoslav Richter - ganz sicher einer der beeindruckendsten und charismatischsten Pianisten bzw. Musiker des 20. Jahrhunderts, damals im Alter von 45 Jahren auf dem Höhepunkt seines interpretatorischen und technischen Könnens. Mit seiner völlig uneitlen Spielweise, die auch ohne die geringste Andeutung einer theatralischen Geste ein Maximum an Ausdruck evoziert, seiner seither von keinem anderen Pianisten jemals erreichten interpretatorischen Leidenschaft, seiner engen Vertrautheit mit dem russischen Klavierrepertoire, seinem unvergleichlich präzisen und kraftvollen technischen Zugriff auf das rhythmisch prägnante alla marcia-Kopfmotiv im Hauptteil des Préludes und der tiefgründig ausgeleuchteten poetischen Intensität und Finesse im kontrastierenden Mittelteil, entführt er jeden dafür sensibilisierten Zuhörer in eine hypnotisierende Rachmaninoffsche Welt und macht aus der Komposition genau das, was es ist: MUSIK, eine Musik, die "Lichtjahre" jenseits der von völlig banalen klangtechnischen Einzelheiten absorbierten Aufmerksamkeit des Hörers liegt. Die MUSIK macht weder der Kopfhörer noch die mit ihm verbundene Elektronik noch die verwendete Aufnahmetechnik, ich selbst habe noch keinen einzigen Kopfhörer gehört - und da waren einige "Kaliber" dabei - der sich "in mein Herz gespielt hat", wie ich neulich erst irgendwo lesen konnte.
Es sind MENSCHEN, die derartiges vermögen, es ist der Komponist und sein Interpret, die uns gemeinsam diese atemberaubende Sternstunde musikalischer Kunst vorführen.
Völlig losgelöst und nahezu unabhängig von der klanglichen Qualität der Wiedergabe - es genügt durchaus ein monauraler Mindeststandard - entfaltet die faszinierende musikalische Intelligenz von Richters Interpretation schon nach wenigen Takten ihre nachhaltige Wirkung, zieht den Hörer sogartig in ihren Bann und wird so zum eigentlichen Kern des Hörerlebnisses.
Die musikalische Auffassung dieses markanten pianistischen Prüfsteins unter den Händen des chinesischen Pianistenstars Lang Lang bewegt sich dagegen bei diesem Stück (!) vergleichsweise hart an der Grenze des Lächerlichen - eine perfekte Aufnahme- und Wiedergabetechnik ist hier schlichtweg völlig kontraproduktiv, da sie den geradezu grotesken rhythmischen Zugriff des Pianisten auf das Stück noch unterstreicht...
Übertragen auf die Ebene eines Live-Auftritts: Svjatoslav Richter würde jeden kundigen (!) Hörer mit seiner fulminanten Interpretation des g-moll Préludes auf einem klanglich ziemlich mittelmäßigen koreanischen Samick ® Flügel begeistern, Lang Lang auf einem beneidenswert opulenten Steinway&Sons ® Premium-Instrument hätte hingegen große Probleme, denselben Hörer mit seiner Auffassung des Stückes mitzunehmen...

Zurück zu den eingesetzten, sehr ähnlich abgestimmten Kopfhörern: bei allem Respekt für die klanglichen und sonstigen Qualitäten des Beyerdynamic T1 - in der Klangqualität ist ihm der AKG K-701/702 ganz, ganz dicht auf den Fersen, in den beiden für echte Kopfhörerfans nicht ganz unwichtigen Disziplinen Preis/Qualitätsrelation aber auch Tragekomfort - man muss es einfach so sagen - lässt der elektroakustische Volltreffer im Klassik-Genre aus Österreich eigentlich jeden (!) aktuell erhältlichen Kopfhörer aus dem 1000€ - Premiumsegment ganz souverän hinter sich, für 1000 Euro bekommt man immerhin fast einen kleinen, aber ganz besonders feinen, vorbildlich neutralen, aktiven (!) RL-906 Zweiweg-Regiemonitor des sächsischen Spezialisten Musikelectronic-Geithain...

Die 1947 gegründete Wiener Traditionsfirma AKG (Akustische & Kino Geräte, heute im Besitz von Samsung, dazwischen im amerikanischen Harman-Konzern...) war schon immer für ihre hochkarätigen Audioentwicklungen eine gute Adresse - bekanntestes Beispiel ist wohl das 1953 erschienene Röhren-Großmembran Kondensatormikrofon AKG C12 mit der General Electric ® Doppeltriode 6072/12AY7 (siehe hier...), ein Studiomikrofon mit fernsteuerbarer Richtcharakteristik und ähnlichem Kultstatus wie das U67 (siehe hier...) von Neumann® - originale Exemplare werden heute zu 'Mondpreisen' gehandelt, obwohl es heute wieder eine Neuauflage gibt - leider eben mit weniger guten, aktuellen 6072A bzw. 12AY7-Röhren bestückt und wahrscheinlich Made In China...
Daneben verdient in dem Zusammenhang auch der unvergessene Spitzentonabnehmer P8ES (1977) und der damals ziemlich kostspielige professionelle Kopfhörer K1000 - eigentlich ein "Kopflautsprecher" - zusammen mit dem digitalen Signalprozessor Audiosphere BAP1000 aus den 90iger Jahren Erwähnung. Ähnlich wie der elektrostatische "Float" von Jürg Jecklin - ebenfalls ein "Kopflautsprecher" - hatte auch ein elektrodynamischer K1000 nicht unerhebliche Probleme mit Teilbereichen des unteren Frequenzregisters, dem schlichtweg die im Segment der seriösen Klassik häufig geforderte dynamische Wucht fehlte.
Trotzdem existiert bei AKG ein riesiges, über viele Jahrzehnte angehäuftes Réservoir von elektroakustischem Know-How wie kaum anderswo...
Erneut hat die Entwicklungsabteilung von AKG im Jahr 2006 mit dem K701/702 ein meisterhaftes Audioprodukt auf die Beine gestellt, das zwar mit dem berühmten K1000-Vorgänger unterhalb eines mäßigen Abhörpegels nicht ganz auf Augenhöhe mitspielt, ihn jedoch jenseits davon und mit einem angemessenen KHV ganz weit hinter sich lässt, da müssen sich eventuelle Nachfolger schon gewaltig ins Zeug legen um da mitzuhalten...
Der günstige und sympathische aktuelle Kaufpreis eines K701/702 (bei seiner Markteinführung lag der Verkaufspreis noch bei ca. 400€ !) spiegelt keineswegs sein riesiges Leistungspotential insbesondere im Klassik-Genre wider, im Hochpegelbereich ist er einem K1000 eindeutig überlegen. Im Zentrum der enormen Leistungssteigerung dieses Kopfhörers steht eine speziell laminierte 2-Schichtmembran der heute schon legendären DKK45-Schallwandlerelemente, deren akustische Feinabstimmung mit einem von AKG patentierten Verfahren durch unterschiedliche Materialstärke erreicht wird, die im Membranzentrum die doppelte Randzonestärke aufweist. Das als Varimotion ® (="variable motion") bezeichnete Prinzip soll u.a. die Partialschwingungsneigung der Membran verringern, aber es verbirgt sich weitaus mehr dahinter: damit ist ein unterschiedlich reagierendes Bewegungsszenario der Treibermembran benannt, es gibt einen zentralen und einen peripheren Bereich, die trotz gemeinsamer Membranfläche für unterschiedliche Frequenzbereiche spezialisiert sind - gewissermaßen eine Art Zweiwegsystem für höhere (Membranzentrum) und tiefere Frequenzbereiche (Membranrandzone). Das raffinierte und zukunftweisende Varimotionprinzip wird gleichermaßen in der hochentwickelten AKG-Mikrofontechnik eingesetzt.
Andererseits wurde die Packungsdichte der Membranschwingspule mit einem vierlagigen Flachdraht ganz wesentlich erhöht, was im Vergleich zur üblichen zweilagigen Runddrahtspule weitere Vorteile bietet.
An den Schnittstellen zwischen den Ohrmuscheln und beiden Kopfhörertreibern liegen wie beim T1 weiche, anschmiegsame Velourpolster mit einem relativ hohen Schallabsorptionsgrad (α = ca. 0,5 bei 2000Hz), die im Gegensatz zu glatten Polstervarianten (α = ca. 0,15 bei 2000Hz, siehe u.a. auch K812) auch für ein Minimum an akustisch ungünstigen, weil zu Interferenzen neigenden, unkontrollierbaren Schallreflexionen im akustisch äußerst kritischen Hörraum zwischen Membranflächen und Ohrmuscheln sorgen - es passiert dort etwas ähnliches wie im Spiegelkasten einer fotografischen Spiegelreflexkamera: wird dieser Raum konstruktiv nicht angemessen mit lichtabsorbierenden Maßnahmen bedämpft, entstehen die gefürchteten inneren Reflexe, die unscharfe und kontrastarme Fotografien zur Folge haben...

Der günstige Preis eines K701 ist ein von AKG völlig unantastbar gesetzter Maßstab für exzellente und faire Preisgestaltung in der Kopfhörer-Oberklasse, AKG vertraut bei der K7xx-Serie eher auf hohe Stückzahlen und verzichtet auf die typische völlig überzogene Preispolitik mancher Mitbewerber in der Premium-Kopfhörerklasse: immerhin bis zum Erscheinen des neuen AKG K812.
Außer einem im Regelfall überdurchschnittlichen Einsatz an 'Gehirnschmalz' ist bei einem dynamischen Kopfhörer auch bei üppigstem Materialeinsatz ja nun wirklich überhaupt nichts dran, was eine Preisforderung von 1000€ und mehr rechtfertigen könnte...

Derartig brilliantes und kenntnisreiches Kopfhörer-KnowHow für relativ geringen finanziellen Einsatz gibt es derzeit nur bei AKG und sonst leider nirgends...
Sogar ein Echtleder-Kopfband ist hier im Preis inbegriffen, beim US-amerikanischen "Boliden" Audez'e LCD-2/3 ist für den Preis eines K701 gerade mal ein Leder-Kopfband mit 'Treibergabel' und ein sogenanntes 'Travel-Case' zu haben....
Die häufig zu lesende bzw. zu hörende Behauptung, daß der K701 im unteren Frequenzbereich 'unterbesetzt' ist, kann ich so nicht akzeptieren, sie trifft einfach für mich nicht zu. Das häufig zur 'Bassverstärkung' empfohlene komplette Öffnen der rückseitigen Bassreflexöffnung bei den in der K7xx-Serie verwendeten DKK45-Treibern ist für meine Hörgewohnheiten eher kontraproduktiv - die schalldurchlässige Folie besitzt nicht ohne Grund einen präzise berechneten Schallabsorptionskoeffizienten. In dem ohne Folie deutlich akzentuierteren Tieftonbereich lässt die präzise Kontur des Bassregisters merklich nach - der Kopfhörer bekommt eine andere Klangsignatur, die für weniger 'klassische' Musikgenres aber durchaus vorteilhaft sein kann. Eine bessere Lösung ist der Austausch der serienmäßigen Kunststofffolie durch eine Folie mit einem veränderten α, eine interessante 'Spielwiese' für Experimente mit der klanglichen Abstimmung in der K7xx-Serie, das akustische Potential der kaum zu übertreffenden DKK45-Treibersysteme kennt kaum Grenzen...

Zum ausführlichen Hörstudium in diesem Zusammenhang empfehle ich die folgenden Aufnahmebeispiele, damit lässt sich sowohl die exzellente Tieftonperformance eines serienmäßigen K701 als auch der vorbildlich lineare Frequenzgang des Kopfhörers problemlos demonstrieren:

a) Die 'State of the art"-Einspielung der Symphonie Concertante für Orgel und Orchester des belgischen Komponisten Joseph Jongen (1873-1953) mit dem US-amerikanischen Organisten Michael Murray und den San Francisco Sinfonikern unter Edo de Waart. Murray spielt den Solopart auf der spektakulären Orgel der Davies Symphony-Hall in San Francisco, 1984 gebaut von Fratelli Ruffatti, den bekannten Orgelbau-Brüdern aus dem italienischen Padua. Die Orgel gehört mit ihren 147 Registern auf 5 Manualen und einem abgrundtief besetzten Pedal (3x32' / 3x16' / 8x16'-Transmissionen) zu den großen Konzerthallen-Orgeln und ist mit ihrem grenzenlosen Klangfarbenreichtum, ihrer gigantischen Dynamik und einem maßvollen Anteil von indirekten Schallanteilen - nicht zu vergleichen mit sekundenlangen Nachhalleffekten von imperialen Riesenorgeln in Kathedralen - eine gnadenlose Herausforderung für jeden Frequenzbereich von seriös konzipierten Kopfhörern...

b) Die grandios-ekstatische Neueinspielung von Igor Strawinskis 'Le Sacre Du Printemps' mit dem hochvirtuosen Philadelphia Orchestra unter dem jungen Kanadier Yannick Nézet-Séguin - hier insbesondere die über mehr als 7 (!) Oktaven reichenden dissonanten fff-Tutti-Akkordballungen in 'Rondes Printanières' zwischen den Partiturziffern 52 und 53 'molto pesante': die von Strawinsky beabsichtigte brutale dynamische Wucht der extremen und abgründigen Schlagwerkakzente von Gran Cassa und dem riesigen (Durchmesser 170cm !) TamTam geht weit an die technischen Grenzen des elektroakustisch Machbaren und wird ohne die maßlos lärmenden Übertreibungen der bereits erwähnten 'Kopfhörerboliden' geradezu körperlich spürbar und akustisch höchst angemessen inszeniert - jede mediokre Abhöranlage wäre mit diesem hochriskanten orchestralen Parforceritt auf der sprichwörtlichen Rasierklinge gnadenlos überfordert. Nicht nur aufnahmetechnisch gehört diese CD zu den faszinierendsten Veröffentlichungen, die der Klassikmarkt aktuell anzubieten hat...

c) Das komplette Orgelwerk von Cesar Franck auf drei Doppel SACD, eingespielt von KMD Hans-Eberhard Roß auf der großen (IV/62), 1998 eingeweihten und von Orgelbau Goll aus Luzern gebauten Orgel der evangelischen Martinskirche in Memmingen. Die konzeptionelle Disposition der beeindruckenden Orgel ist symphonisch-französisch, sie bezieht ihre enorme akustische Strahlkraft vor allen Dingen aus dem umfangreichen und differenzierten Repertoire der Zungenregister (Anches), ganz im Sinne des berühmten Pariser Orgelbauers Aristide Cavaillé Coll. Durch zahlreiche Besuche von Orgelkonzerten im riesigen 72 Meter langen und 20 Meter hohen Kirchenraum von St. Martin ist mir der Klang der unterschiedlichsten Register und Registermischungen der 5 Orgelwerke aus mannigfaltigen Beispielen der Orgelliteratur sehr vertraut - insofern bin ich immer wieder höchst erstaunt über die Präzision und die Realitätsnähe (!) der elektroakustischen Reproduktion mit dem K701 Schallwandler, auch bei diversen Soloregistern, der damit seine uneingeschränkte Monitortauglichkeit für anspruchsvolle Studioaufgaben mit qualifiziertem Personal unter Beweis stellt.

Sämtliche auf ähnlichem Niveau, aber mit unterschiedlicher Abstimmung reproduzierenden Konkurrenten des K701/K702 - davon gibt nicht allzu viele - kosten immerhin mindestens das fünffache, der Edition 10 von Ultrasone ® und der Audez'e ® LCD3 - allesamt eher monitoruntauglich - sogar das zehnfache..., was sicher für die zahlreich vorhandenen 'Neider' ein gewichtiger Grund ist, mit wuchtig-erhobenem pädagogischen Zeigefinger und fortwährenden Hinweisen auf eine langjährige Hörpraxis das berühmte ehemalige AKG-Flaggschiff (der K702 aus dem Profisektor verwendet die gleichen Treibersysteme...) kleinzureden und vom Premium-Segment kurzerhand per 'päpstlichem Dekret' in die Mittelmäßigkeit zu verbannen, so quasi nach dem Muster einer Behauptung daß dort, wo ein K701 klanglich aufhört, ein Audeze gerade mal anfängt - es kann eben nicht sein, was nicht sein darf...ein Audeze LCD2/3 ist aufgrund seiner völlig anders abgestimmten Klangsignatur überhaupt nicht mit den KH-Monitoren wie der K701/702/712-Serie zu vergleichen...
Immerhin gibt derartiger Unsinn deutliche Auskünfte über völlig unzureichende Urteilskräfte auf diesem Terrain, hervorgerufen durch gnadenlos überzogene, unrealistische Selbstwahrnehmung zusammen mit mangelhaften bis ungenügenden Hörfähigkeiten. Hinzu kommen die altersbedingten irreversiblen, und frequenzabhängigen Einbrüche in der Hörkurve, von denen nahezu jeder Mensch jenseits der 50 Lebensjahre betroffen ist. Da würde ich in einem ersten Schritt zunächst den Rat eines kompetenten und erfahrenen Otologen empfehlen, in einem zweiten Schritt zum Besuch von flankierenden Musik(!)-Gehörbildungskursen raten oder die Sache auch gleich ganz sein lassen...
Kernkompetenz einer angemessenen Urteilskraft zur Bewertung musikalisch-akustischer Ereignisse ist ein gut funktionierendes Ohr zusammen mit einer spezialisierten und hochdifferenzierten Hörqualifikation, die wie das differenzierte Spielen eines Musikinstruments autodidaktisch wohl kaum zu bewältigen ist. Im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch gibt es einen gewaltigen Unterschied vom bloßen 'hearing' zum anspruchsvollen, differenzierten 'listening', da ist über weite Strecken professionelle 'Nachhilfe' angesagt...

Ein 'Bolide' bzw. die vielzitierte 'Kopfhörergranate' (!) ist der von vielen weit unterschätzte K701/K702 ganz sicher nicht - fast jeder weiß, zu welch ohrenbetäubender Wirkung Granaten fähig sind...
Die grobkörnigen und muskulösen 'Boliden' sowie die bereits erwähnten 'Kopfhörergranaten' sind in der feinen Kopfhörer-Oberklasse ohnehin unerwünscht und haben dort partout nichts verloren, aus meiner Sicht sind sämtliche Kopfhörer der K7xx-Serie mit den DKK45-Treibern jeweils gekonnt austarierte, subtile und absolut souveräne Schallwandler für den professionellen Studiobetrieb, aber auch für den verwöhnten Musikkenner (!), eben dem an feinsten Zwischentönen und analytischen Details interessierten Klassikhörer - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Im Hinblick auf meine Hörgewohnheiten hoffe ich sehr, daß sich an der Grundkonzeption und der grundlegenden Abstimmung des neuen 'SUPERIOR Reference Headphone' K812 nicht allzuviel ändern wird - mit einer "Steigerung" tut sich AKG zumindest verbal schon ziemlich schwer, mit 'PREMIUM Reference Studio Headphone' K701/702 wurden zwei gängige "Superlative" bereits zu vorschnell ausgereizt - im angloamerikanischen Hotelgewerbe der gehobenen Klasse ist der PREMIUM-Room gegenüber dem SUPERIOR-Room nach meinen Erfahrungen immer die bessere (und teurere...) Option...

Optimale Notebook- und Smartphone-Kompatibilität d.h. niedrige Impedanz und hohe Effizienz setzen sich (aus guten Gründen für den Hersteller...) bei Kopfhörern der Oberklasse zunehmend durch, der neue K812 macht da keine Ausnahme und ist damit für einen kraftvollen Betrieb an einem OTL-Röhrenverstärker mehr oder weniger aus dem Rennen. Beim äußerst üppigen Preisniveau des K812 hat sich AKG leider der Konkurrenz angepasst - die Hersteller freuen sich sicher, es ist mittlerweile anscheinend längst etablierter Standard, aus meiner Sicht sind derartige Preisforderungen einfach nur noch lächerlich...

Musikalische Sinnesreize unterliegen bei ihrer Wahrnehmung immer einer 'Informationsverarbeitung', bei der vor der Entstehung einer Gefühlssituation sehr kompliziert ablaufende Verarbeitungsmechanismen von Einstellungen und Vorerfahrungen wie Sortieren, Vergleichen, Erinnern oder Bewerten - aber mit einem ganz entscheidenden (!) Anteil das jeweils vorhandene Ausmaß an musikalischem Talent - Einfluss auf die Qualität bzw. auch Intensität der entstehenden Emotionen nehmen.
Verallgemeinert und auf den Punkt gebracht lässt sich die Erlebnisqualität von Wahrnehmungsvorgängen bzw. Sinnesreizen durch die Schaffung von differenzierten Informationen zum Wahrgenommenen steigern, die aber über lange Zeiträume antrainiert werden müssen und die dann im Unterbewußtsein zusammen mit den musikalischen Begabungsfaktoren die notwendigen Koordinaten für eine differenzierte Rezeption und Decodierung des Wahrgenommenen bereitstellen - oder eben auch nicht, ein typisches Beispiel für das 'Null-Erlebnis' ist das Hören von zeitgenössischer E-Musik, bei der ein intensives Hörerlebnis an ganz besonders hohe Hürden im Bereich der Vorerfahrungen geknüpft ist.
Im Falle elektroakustisch erzeugter Sinnesreize, bei denen die übliche Life-Komponente naturgemäß fehlt, setzt eine hohe Erlebnisqualität selbstverständlich einen elektroakustischen Wandler mit der Fähigkeit zu einer angemessenen Wiedergabe voraus...

Die wesentlich teurere Konkurrenz wie z.B. der geschlossene DENON AH-D7000 oder dessen beide Nachfolger Fostex TH-600 bzw. TH-900 - mit ihren bewusst niedrigen 25 Ohm (!) Treiberimpedanzen und einer hohen Effizienz wie bei den In-Ears konzeptionell eher auf den Betrieb mit netzunabhängigen portablen Geräten wie Smartphones oder Notebook-Soundkarten als auf einen OTL-Röhrenverstärker zugeschnitten - oder der erwähnte Edition 10 von Ultrasone punktet natürlich mit einer gesteigerten, völlig übertrieben-luxuriösen und akustisch wertlosen 'Anfassqualität', bewegt sich aber aus meiner Sicht klanglich keineswegs in einer dafür angemessenen (!) eindeutig überlegenen Region, sondern lediglich in einem von Geschmacksnuancen geprägten Bereich von Hörpräferenzen und Höraversionen - ausgenommen die oben erwähnte, eindeutig registrierbare Hochpegelüberlegenheit des Beyerdynamic T1.
Im HighEnd-Prestige- bzw. Lifestylefaktor zieht der seit 8 Jahren sehr erfolgreich im Markt agierende Österreicher selbstverständlich den Kürzeren - dafür fehlt ihm ganz einfach das dafür unabdingbar notwendige extrem hohe Preisniveau, eine AKG-Marktlücke, in die der neue K812 stoßen soll...

Dem wenig technikaffinen, echten (!) und passionierten Musikhörer mit einem eindeutigen Schwerpunkt im Bereich der Musik sind diese beiden Kriterien ohnehin 'wurscht'...

Es wäre zuviel der Ehre, man muss nicht unbedingt Nat King Cole's berühmtes "unforgettable" zitieren, aber das Zusammenwirken der beiden für meine Hörgewohnheiten optimalen Kopfhörer T1 bzw. K701 mit dem Audicula-II kann man auf folgenden Punkt bringen:

CAUTION, be prepared to have your socks knocked off !!

Das eben Gesagte gilt natürlich ausschließlich für das Hören von verlustfreien Formaten, MP3 bzw. MP4-Player sind völlig ungeeignete Partner für eine hochwertige Verstärker / Kopfhörerkombination - um einen Vergleich mit der analogen Schwarzweiß-Fotografie zu bemühen: aus einem technisch unsauberen Negativ lässt sich schlicht und ergreifend kein technisch optimales fotografisches Bild erzeugen...
Mechatronik-Einschaltmodul mit Togglerelais

Eines der Module des Audicula-II Netzteils mit Toggle-Relaisvariante: die Platine der Mechatronik für das Einschaltrelais und die dazugehörige Stromversorgung mit Modultrafo.

Die mikroskopisch-analytische Détailauflösung der Kopfhörerwiedergabe deckt alle im Normalfall nahezu unhörbaren Kompressionsartefakte auf und zerrt sie schonungslos auf die akustische Bühne, wo sie ihr Störpotential voll entfalten können.

Durch ihre besondere "Eindringtiefe" eignet sich die Kombination auch als ein souveränes akustisches Werkzeug (= Voodoo-Killer), das ohne den unzulänglichen 'Lautsprecher-Flaschenhals' die völlige [!!] (alles andere ist Wunschdenken...) Wirkungslosigkeit von gnadenlos teurem High-End Voodoo-Zubehör (frei nach dem Motto "die Magie des goldenen Kabelklangs", "der subtile Feinsinn eines Akku-Speiseteils" oder auch "die einzigartige akustische Feinauflösung einer vergoldeten Feinsicherung"...) mit 'kriminalistischem Spürsinn' aufzeigt. Zur sprichwörtlichen "Entzauberung" von teuren Kopfhörerzuleitungen ("Spezialkabel") wurde das serienmäßig fest installierte K701-Kabel durch eine hochwertige MiniXLR-Steckverbindung aus der Tiny-Serie von Neutrik-Rean ersetzt und höchst unterschiedliche "Kabelsysteme" eingesetzt: bei den amüsanten Testsitzungen mit kundigen Kennern, allesamt hochspezialisierte, professionelle Hörexperten (!) mit langjähriger Berufserfahrung, blieb wahrlich kein Auge trocken...

Selbstverständlich sind die Federbügel des Kopfhörers kryogenfrei, eine hochkompetente und seriöse Entwicklungsabteilung wie die von AKG gibt sich mit derartigen Albernheiten nicht ab, es ist lächerlicher Unsinn und somit Zeit- und Geldverschwendung: der häufig angepriesene direkte beidseitige Kabelanschluss der beiden Kopfhörertreiber unter Umgehung der beiden für die Stromversorgung der rechten Treiberkapsel ebenfalls zuständigen Metallbügel ist aus akustischer Sicht ein völliger Quatsch - von den vielfach behaupteten klanglichen Verbesserungen ist rein garnichts wahrzunehmen, es ist eine nicht ganz einfache, lupenreine Bastelübung zur Entfernung der beiden verschraubten und verclipsten Kunststoffdeckel (die Nummern 22 und 23 aus der K701-Teileliste), die pure Zeitverschwendung schlechthin...

Aber Vorsicht: Voraussetzung für eine realistische Wahrnehmung sind beim Hörer unbestechliche, musikalisch (nicht technisch) entsprechend trainierte Ohren, die sich vorurteilsfrei und ohne eine 'Marketing-Konditionierung' darauf einlassen können.
Dann verlieren auch die inflationär mit physikalisch-akustischem Fachvokabular aufgeblasenen, raffiniert-suggestiv-verwirrend, aber auch bewusst poetisch-visionär formulierten Werbetexte diverser Hersteller sowie Testberichte selbsternannter HiFi-Profis mit 'genialen Hörleistungen', grenzenloser Selbstüberschätzung und nicht existierenden Wahrnehmungsschwellen ihre Wirkung und zerplatzen augenblicklich wie eine schillernde Seifenblase zu nichtssagender Seifenlauge...was wäre die HiFi-Industrie ohne sie...
Innenansicht des Audicula-II Netzteilmoduls

Gedrängter Aufbau des Netzteilmoduls AUDICULA-II - die Einschalt- und Röhrenheizungselektronik schützt die beiden störspannungsempfindlichen Platinen für die Aufbereitung der Anodenspannung vor dem Streufeld der Transformatoren, rechts unten die beiden Hammond®-Netzdrosseln...

In Analogie zur lautsprecherbasierten Wiedergabe entscheidet in einer hochwertigen Kopfhörer-Abhöranlage primär der akustische Schallwandler und sekundär sein elektronischer Antrieb über das erreichbare Qualiätsniveau. Wenn beide Faktoren günstig zusammenkommen gibt es leider auch einen unbestreitbaren Wermutstropfen derartig erhellender Klangpräzision, der nicht verschwiegen werden darf: der AUDICULA-II - vorausgesetzt er wird mit einem leistungsfähigen (!) Kopfhörer mit analytischen Fähigkeiten betrieben - stellt allerhöchste Ansprüche an die audiotechnische Qualität einer Musikkonserve. Es müssen keineswegs die einer reinen Marketing-Idee entsprungenen XRCDs oder SACDs sein - jede sorgfältig aufgenommene reguläre CD, deren Aufnahmeteam das vorhandene technische Potential optimal zu nützen weiß, klingt ebenso gut.
Jedoch wird wirklich jeder noch so winzige akustische 'Fehltritt' der Aufnahmeleitung, die kleinste technische Unzulänglichkeit des Aufnahme-Equipments, ohne Gnade enttarnt und so mancher heißgeliebte, vermeintliche CD-Hochkaräter einer kompetent über viele Jahre zusammengestellten CD-Sammlung gerät zum klangtechnischen Rohrkrepierer - eine grottenschlecht aufgenommene Aufnahme klingt eben auch grottenschlecht, frei nach dem Motto "rubbish in rubbish out..."
Zum Ausgleich dafür klingt eine klangtechnisch hervorragende Produktion eben auch exzellent, wenn sie von einem angemessenen Zuspieler serviert wird, wobei die aktuellste Technik wie so häufig nicht immer eine optimale Lösung anzubieten hat: Jeder passionierte Musikliebhaber (!) und HiFi-Kenner, eventuell sogar im Besitz eines seit vielen Jahren leider längst nicht mehr gefertigten Studer ® A725/727 oder eines Studer ® D730/731 weiß, welch mechanisch-elektronisches Qualitätsniveau sich da für immer verabschiedet hat. Klanglich fast auf Augenhöhe mit dem einzigartigen, nahezu unerschwinglichen CD-Player Nagra ® CD/CDC, bewahren hochwertigste CD-Quellgeräte mit ihrem theoretisch möglichen Dynamikumfang von 96dB den engagierten, vom Virus Musicaphilie (eben nicht Audiophilie !) infizierten Hörer vor einer zeit- und geldraubenden, permanenten und überflüssigen, weil völlig sinnlosen Beschäftigung mit diversen Samplingfrequenzen und Bit-Raten, siehe auch hier. Das Thema ist nun wirklich nichts Neues, studierte Tonmeister kennen das Phänomen schon lange, zentrales Anliegen ist der Dynamikbereich, die Differenz von maximalem und minimalem Schalldruckpegel, beim menschlichen Gehör liegt der oberste Grenzwert (Schmerzgrenze) bei ca. 120dB.
Abgesehen von dieser natürlichen Grenze ist kein DAC mit 24bit Wandler und Schaltungsperipherie und keine wie auch immer geartete elektroakustische Reproduktionsanlage auch nur im entferntesten in der Lage, die mit einer 24bit-Wandlung verbundene, theoretisch mögliche Spreizung des Dynamikbereichs auf sagenhafte 144dB auch nur annähernd zu realisieren, der Dynamikumfang von pianissimo possibile ppp bis fortissimo possibile fff bei riesigen Orchesterbesetzungen mit spätromantischer Sinfonik, orchestralem Schlagabtausch des Expressionismus oder den üppigsten Klangorgien imperialer Domorgeln - selbstverständlich im angemessenen Hörabstand von der Schallquelle, bei Verdoppelung des Abstands zur Schallquelle nimmt der Schalldruck um 6dB ab - beträgt in der Realität maximal zwischen 60 und 70dB - so what ???

Da nützen auch keine sündhaft teuer angebotenen "Super-DACs" mit der vielzitierten, angeblichen "Schleierwegziehwirkung" (Freqenzgangänderung...), oder auch die ultimative Playersoftware auf dem immer schneller changierenden Digitalaudio-Markt - das Ende der mittlerweile schon 30 Jahre alten CD mit ihrer 16Bit Technologie und einer Abtastrate von 44,1kHz ist noch lange nicht eingeläutet, die Entwickler in den Technikabteilungen der CD-Technologie Philips/Sony haben wesentlich weiter vorausgedacht als die Reichweite des limitierten Vorstellungsvermögens so mancher HiFi-Freaks - prinzipiell ist zwar das Streamen digitaler Musikdateien mit Festplatte dem Auslesen einer CD in einem sehr guten CD-Player rein technisch (!) überlegen - das ist jedoch lediglich die graue Theorie. Im Gegensatz zu den deutlich hörbaren Qualitätsunterschieden der Tonträger Vinyl und CD ist die geringfügige technische Überlegenheit des Streamens nicht mit Sicherheit erkennbar: keiner meiner hochkarätigen Mithörer im Bekanntenkreis - allesamt Musikprofis mit jahrzehntelanger hochdifferenzierter Hörerfahrung - ist jedoch in der Lage, die von manchen "Audiophilen" behaupteten eindeutig hörbaren qualitativen Unterschiede jederzeit zuverlässig zu detektieren...es ist ihnen auch schlichtweg völlig schnurzegal...

Der altehrwürdige, analoge Tonträger Vinylschallplatte, der im Prinzip auf einer mehr als 130 Jahre alten Erfindung beruht, ist aus vielerlei Gründen - bei aller Liebe zum Retro-Audio - aufgrund seiner technisch bedingten katastrophalen Messwerte, die nicht einmal die fast 50 Jahre alte HiFi-Norm DIN 45500 erreichen - für den empfindlichen Kopfhörerbetrieb völlig ungeeignet, mit Einschränkungen gilt das auch für den altehrwürdigen analogen FM-Stereo Tuner, der auch bei optimaler Konzeption nicht an das technisch-akustische Potential der CD-Technologie heranreicht.
Eine Schallplattendynamik von maximal ca. 40 dB (die CD bringt systemimmanent wie oben erwähnt 96dB, jedes Bit entspricht 6dB Dynamikumfang...) und andere Unzulänglichkeiten wie hoher Klirrgrad sowie extreme Störspannungspegel sind auch bei extremstem Finanz- und Geräteaufwand (ein Ortofon ® MC-Abtaster "Anna Heritage" zu Ehren von Anna Netrebko (!) und einem Preis von mindestens 6-kilo€ hilft da keineswegs weiter...), feinster Justage von Laufwerk, Tonarm und Abtastsystem technisch einfach nicht zu vermeiden, die ehemals eingesetzte einigermaßen wirkungsvolle, aber berüchtigte 'Nassabtastung' war auch keine gute Lösung...

enigma-line Audicula II mit Togglerelais-Netzteil
Ebenfalls Dream-Team: Aktueller AUDICULA- II mit AKG K701

Im Gegensatz zu manchen anderen Röhren-Kopfhörerverstärkern der teuren High-End Oberklasse ist der AUDICULA-II bei der Verwendung von Kopfhörern mit einem Schalldruckpegel SPL (Sound Pressure Level) bis ca. 105dB/V bzw. 92dB/mW hörbar frei von den bei einem netzgespeisten KHV üblichen Störspannungen wie Restbrumm und Rauschen, deren unvermeidliche Anteile unter die Hörschwelle abgesenkt wurden, was u.a. mit dem verwendeten 'straight-wiring' zusammenhängt: die Eingänge der Versorgungsspannungen von Netzteilmodul und Verstärkermodul sind jeweils hinten plaziert, beide Ausgänge (Gleichspannungsausgang und Nutzsignalausgang) jeweils vorne.

Zudem trägt ein sorgfältig getestetes, ausgeklügeltes internes Verdrahtungskonzept sowie das aus regulärem hochwertigem HF-Koaxialkabel (!) und hochwertigen Neutrik-Cinchsteckern gefertigte Quellen-Verbindungskabel mit seinem konkurrenzlos niedrigen Preis und seiner ebenso niedrigen Eigenkapazität (55pF pro Meter - da kann so manches Audiokabel der 500€-Klasse nur davon träumen...) einen gewichtigen Teil dazu bei - eigentlich schon ein aufwändig gefertigtes, sehr individuelles und edles kleines elektroakustisches 'Glanzstück', eben nicht "von der Stange", sowohl für den Fan von exzellenten Kopfhörern als auch für den Liebhaber ästhetisch ansprechender, 'kunsthandwerklich' hergestellter HiFi-Objekte, aber besonders geeignet als Droge für den leidenschaftlichen Musikliebhaber auf seinen akustischen Reisen in tiefgründige Hörerlebnisse...(angesichts der zahllosen HighEnd-Kopfhörerverstärker des Marktes ist selbstbewußtes Eigenlob manchmal durchaus angebracht...und außerdem ist das eigene Baby ohnehin immer das 'allerschönste'...).

Angedacht ist momentan eventuell die Entwicklung eines AUDICULA-III - ein modifiziertes AUDICULA-II Verstärkermodul mit passgenauen Ausgangsübertragern, das von einem aufwändig überarbeiteten Netzteil mit einer extrem gesiebten Anodenpannung versorgt wird, eine Herausforderung speziell für den Betrieb hochwertiger intraauraler HiFi In-Ear-Monitore bzw. auch HiFi Ohrkanalhörer, die aufgrund ihres hohen Wirkungsgrads, ihrer niedrigen Impedanz und der Position der akustischen Systeme direkt im Gehörgang allerhöchste Anforderungen an eine effiziente Ausfilterung von (technisch bedingten...) Restwelligkeiten in der Hochspannung stellen, da sie winzige Spuren davon 'detektivisch' aufspüren und hörbar machen.

Sogar der von den selbsternannten "KH-Gurus" hochgelobte, "stinknormale" Halbleiter-KHV im Hochpreissegment wie ein kanadischer BHA-1, bei dem häufig das nichtssagende Etikett "Weltklasse" zu lesen ist und der inzwischen von seinen ehemals stolzen Besitzern auffällig häufig zum halben ehemaligen Kaufpreis (!) wieder "ausrangiert" wird (warum wohl...), ist prinzipiell weniger anfällig für wahrnehmbare Brummreste der Netzteilelektronik als ein KHV-Exemplar mit einer kompletten Röhrenbestückung. Trotzdem haben die BHA-1 Geräte offensichtlich bei hochempfindlichen und niederohmigen Wandlersystemen, wie sie vornehmlich für portable und damit brummfrei-gleichspannungsgespeiste Verstärkersysteme entwickelt werden (ab 100dB SPL/mW ), mit Restbrumm- und Rauschproblemen zu kämpfen, siehe hier....
Beim neuen AKG K812 hat man die ohnehin schon relativ geringe Impedanz eines K701/702/712 von 62 Ohm nochmals aus marktstrategischen Gründen 'mobilkompatibel' auf 36 Ohm fast halbiert, womit er wie eine ganze Reihe seiner Mitstreiter - zumindest bei höheren Lautstärken - OTL-inkompatibel sein wird, der Betrieb an einem Vollröhrenverstärker ist an ein entsprechendes Konzept mit Ausgangsübertragern gebunden. Zusammen mit dem sehr hohen Wirkungsgrad von 110dB SPL/1Volt könnte der im obigen link erwähnte, mit weniger wirkungsstarken Kopfhörermodellen unhörbare Restbrummanteil des BHA-1 von dem neuen Modell bei empfindlichen Ohren über die Hörschwelle gehoben werden. Das wäre sicher schade, aber wie man weiß gibt es eine ganze Reihe hervorragender Kopfhörer, die den anspruchsvollen OTL-Betrieb sicher beherrschen, allen voran der T1 mit seinen ungewöhnlich 'röhrenfreundlichen' 600 Ohm...



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